Wollwarenerzeugung. Von 23 Fabriken konnten sich nur 7 behaupten
und auch 150 Tuchmachermeister waren gezwungen, die Erzeugung
sinzustellen.
Die Brünner Tuchindustrie war bemüht, die Folgen dieser schweren Rück-
schläge vor allem durch eine technische Ausgestaltung ihrer Unternehmun-
zen zu überwinden. In den Appreturen wurden an Stelle der alten Handscheren
und Rauhkreuze Schermaschinen und Rauhmaschinen aufgestellt und sowohl in
len Fabriks- als auch in den Lohnspinnereien fanden Spinnmaschinen nach dem
System des Engländers Cockeril Eingang. Während ein moderner Selfaktor
400—500 Spindeln besitzt, zählte die Cockerilsche Feinspinnmaschine, die gegen-
über den alten Spinnrädern einen ungeheuren Fortschritt bedeutete, nicht mehr
als 60 Spindeln.
Eine vollständige technische Umwälzung wurde zu Beginn der Zwanziger-
jahre des vorigen Jahrhunderts durch die Einführung des Dampfbetriebes
in den Brünner Wollwarenfabriken angebahnt, Schon im Jahre 1817 stellte‘ die
Firma Johann Heinrich Offermann eine Dampfmaschine englischer Her-
kunft von sage und schreibe ı2 Pferdekräften auf. Aber erst als Heinrich
Alexander Luz und Friedrich Schoell in Schlappanitz bei Brünn den Bau
von Dampfmaschinen mit Erfolg aufnahmen, gewann der Dampfantrieb in den
Brünner Tuchfabriken an Verbreitung und verdrängte allmählich das Wasser-
gefälle, die Tretscheiben und Pferdegöpel. In starkem Maße wurde die technische
Entwicklung der Brünner Tuchindustrie durch die Gebrüder Schoeller ge-