Full text: Die Brünner Wollindustrie 1928

Wollwarenerzeugung. Von 23 Fabriken konnten sich nur 7 behaupten 
und auch 150 Tuchmachermeister waren gezwungen, die Erzeugung 
sinzustellen. 
Die Brünner Tuchindustrie war bemüht, die Folgen dieser schweren Rück- 
schläge vor allem durch eine technische Ausgestaltung ihrer Unternehmun- 
zen zu überwinden. In den Appreturen wurden an Stelle der alten Handscheren 
und Rauhkreuze Schermaschinen und Rauhmaschinen aufgestellt und sowohl in 
len Fabriks- als auch in den Lohnspinnereien fanden Spinnmaschinen nach dem 
System des Engländers Cockeril Eingang. Während ein moderner Selfaktor 
400—500 Spindeln besitzt, zählte die Cockerilsche Feinspinnmaschine, die gegen- 
über den alten Spinnrädern einen ungeheuren Fortschritt bedeutete, nicht mehr 
als 60 Spindeln. 
Eine vollständige technische Umwälzung wurde zu Beginn der Zwanziger- 
jahre des vorigen Jahrhunderts durch die Einführung des Dampfbetriebes 
in den Brünner Wollwarenfabriken angebahnt, Schon im Jahre 1817 stellte‘ die 
Firma Johann Heinrich Offermann eine Dampfmaschine englischer Her- 
kunft von sage und schreibe ı2 Pferdekräften auf. Aber erst als Heinrich 
Alexander Luz und Friedrich Schoell in Schlappanitz bei Brünn den Bau 
von Dampfmaschinen mit Erfolg aufnahmen, gewann der Dampfantrieb in den 
Brünner Tuchfabriken an Verbreitung und verdrängte allmählich das Wasser- 
gefälle, die Tretscheiben und Pferdegöpel. In starkem Maße wurde die technische 
Entwicklung der Brünner Tuchindustrie durch die Gebrüder Schoeller ge-
	        
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