gewöhnlicher Höhe. Der Umfang der Krise, von welcher die Brünner Woll-
industrie in der zweiten Hälfte des Jahres 1922 getroffen wurde, geht sinnfällig
aus den statistischen Tabellen über Beschäftigungsgrad und Arbeiterstand hervor,
Gegen Jahresende sinkt die Arbeiterzahl fast auf ein Drittel der
normalen Ziffer herab und erreicht damit einen Tiefstand, wie er
auch in den schwersten Zeiten des Krieges nicht zu verzeichnen war.
Erst die endgültige Abkehr der Tschechoslowakischen Repu-
blik von der in ihrer ganzen Schädlichkeit erkannten Deflations-
politik stellte das Vertrauen in die Geschäftslage wieder her und
armöglichte es der Brünner Wollindustrie, allmählich. die unheil-
vollen Folgen des Krisenjahres 1922 zu überwinden. Die Gesundung
les Inlandsgeschäftes wurde wesentlich durch die seit dem Oktober 1921
destehende tschechoslowakische Tuchkonvention erleichtert, deren Zentral-
yureau beim Verein der Wollindustriellen Mährens in Brünn geführt wird. Die
;schechoslowakische Tuchkonvention gewährleistet, ohne irgendwie auf die Ge-
staltung der Warenpreise Einfluß zu nehmen, die Aufrechterhaltung geordneter
Zahlungs- und Lieferungsbedingungen, deren Regelung ebenso sehr im Interesse
des legitimen Handels als der Erzeuger selbst gelegen ist.
Ihre besondere Sorgfalt hat die Brünner Wollindustrie in den letzten Jahren
der Ausgestaltung des Exportgeschäftes zugewendet. Die von der Brünner
Wollindustrie in wachsendem Umfange erzeugten Kammgarnmodewaren,
aber auch die für den Brünner Platz charakteristischen Streichgarnmassen-