AUS DER GESCHICHTE DER BRÜNNER WOLLINDUSTRIE
vom Sekretär der Brünner Handels- und Gewerbekammer ;
Dr. Alfred Oberländer.
DIE BRÜNNER WOLLWARENERZEUGUNG BIS ZUM. WELTKRIEGE
Die Anfänge der Brünner fabriksmäßigen Wollwarenerzeugung reichen bis
n die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück. Von den wirtschaftlichen ‚Ideen des
Merkantilismus beeinflußt, der in der praktischen Industrieförderung eine der
Hauptaufgaben der Staatsverwaltung erblickte, errichtete die österreichische Re-
zierung im Jahre 1765 in Brünn in der Vorstadt „Große Neu gasse‘ eine Fein-
tuchfabrik, die jedoch nicht lange im Staatsbetriebe blieb, sondern von einer
Gesellschaft von Handelsleuten übernommen wurde, an deren Spitze Johann
Leopold von Köffiller stand. Die Fabrik schien sich zunächst günstig zu
antwickeln, ging aber nach verhältnismäßig kurzem Bestande infolge schwerer
Mängel der Verwaltung und inneren Organisation zugrunde. Größere Erfolge
waren den Beamten Köffillers Wilhelm Mundy, Heinrich Hopf und Johann
Sottfried Bräunlich, Math. Albr. Seitter, sowie Johann Heinrich Offer-
mann beschieden, die in Brünn weitere Tuchfabriken ins Leben riefen.
Die von diesen Männern gegründeten Tuchfabriken haben allerdings mit
ainer Wollwarenfabrik im heutigen Sinne fast nichts gemein. Sie unterschieden
sich von den handwerksmäßigen Betrieben der Tuchmacher in der