W. Thompson.
8383
Verbreitung von Bildung genüge, den Tribut der Arbeit an
das Capital auf den niedrigsten mit den Interessen der Repro-
duction verträglichen Stand zu bringen. Ein mässiger Capital-
gewinn und mässige Grundrente, hergestellt durch ganz
freien Vertrag, seien zu dulden (S. 163 ff). Jetzt aber
herrsche erzwungene Ungleichheit in der Lage beider
Parteien und die Löhne würden durch alle erdenklichen Mittel
Politischer Gewalt künstlich niedergehalten (S. 241). Der
Gegensatz dazu sei wahres Repräsentativsystem, das
alle Steuern zu einer Sache des‘ freien Vertrags macht
(S. 178 ff, 225) und gleiche Sicherheit verbürgt (S. 267).
„Das Prineip der Unsicherheit, Unfreiwilligkeit und Beraubung
ist wesentlich für Monarchie, Aristokratie und jede Mischung
Von beiden‘ und es ist die wahre Ursache der zu niedrigen
Löhne. Es handelt sich vor Allem darum, die Jagdgesetze,
Schutzzölle, Beschränkungen der Gewerbefreiheit und Frei-
zügigkeit, die Gebote der Sonntagsheiligung, die Coalitions-
Verbote, Zehnten, die Entails ete. abzuschaffen (S. 363). Hier-
durch schützt die Staatsgewalt ihren Besitz und den der be-
Sünstigten Minorität (S. 381).
Es ist kaum nöthig, diesen naiven Radicalismus zu wider-
legen durch Hinweis auf die einfache Thatsache, dass gerade
bei grösster Freiheit von Person und Eigenthum die Stärksten,
d. h. die Reichsten, am meisten profitiren. Es ist auch bei
Thompson selbst kein nothwendiger Causalzusammenhang zu
SNtdecken zwischen diesem politischen Radicalismus und dem
Satze, dass die unbeschränkte freie Concurrenz nicht das Heil
bringe, sondern dass Owen’s System der „mutual Cooperation“
das Problem der Versöhnung von Sicherheit und Gleichheit
Völlig löse (S. 367. 384).
Auch hier kommen theilweise schöne Auseinandersetzungen
Über die Schattenseiten der Concurrenz, über Egoismus u. dgl.
Vor und anzuerkennen ist, dass Thompson stets mit beson-
derem Eifer betont, der Eintritt in die Owen’schen Commu-
Nitäten müsse freiwillige sein.
Das Buch von Thompson enthält, wie man sieht, viele