Metadata: Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

500 ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeit der Armen. 
den Sterblisten hervor. In Russland ergaben die amtlichen Aufzeich 
nungen der Geburten und Sterbfälle in den Jahren 1840—50 einen 
durchschnittlichen Ueberschuss der Geburten von 435,836 ; im Noth 
und Hungerjahre 1848 hingegen einen Ueberschuss der Sterbfälle von 
295,943, — also eine Difterenz von mehr als 730,000 gegen die Nor 
malzahl. — Man berechnete die Menge der Sterbfälle zu Paris in dem 
bedeutenden Zeiträume von 1694 bis 1784, also von 90 Jahren. Die 
durchschnittliche Sterblichkeit betrug : 
in den 10 theueisten Jahren je 21,174 Mittl. Weizenpreis pr.Setier Liv. 21 10 sous 
- - 10wohlfeilsten - - 17,529 - - - 17.05 - 
Weizenpreis Sterbf. Weizenpreis Sterbf. 
ZuLondon: 1802 58 Sh. 10 d. 20,508 I in 7 engl. Grafsch. 1801 118 Sh. 3 d. 55,905 
1800 113 - 7 - 25,6701- 7 - - 1804 60 - 1 - 44,794 
Turin: 5 wohlfeile Jahre (1828, 1830, 34—36) 4,638 Todesfälle 
5 Theuerungsjahre (1829, 1831—33, 37) 5,231 
Nicander fand (Memoiren der Academie von Stockholm), dass in 
Schweden die Zahl der Sterbfälle durch die Theuerung vermehrt wurde : 
1762 um % , 1763 um %, 1772 um , 1773 um */,, 1799 um '/?, 
1800 um %. Die Wirkung der Theuerung tritt aber um so furchtbarer 
hervor, wenn berücksichtigt wird, dass es nicht die Gesammtheit der 
Einwohner ist, welche gleichmässig zu dieser SterblichkeitsVermehrung 
beiträgt, sondern dass die Reichen so glücklich sind, gar kein Contin 
gent liefern zu müssen, wonach die ganze Erhöhung ausschliesslich von 
den Aermern herrührt, diese also nicht blos mit % , */* u. s. f., son 
dern noch weit härter betroffen werden.*) 
Einßuss von Wohlstand oder Armuth auf die Sterblichkeit. Dieser 
Einfluss ist von überraschender Ausdehnung und Grösse. Die Schriften 
von Benoiston, Morgan (Secretär ácr Equitable Society), Dr. Casper und 
Quetelet enthalten reiches Material. Nach Casper’s Untersuchungen 
leben von 1000 zu gleicher Zeit geborenen Menschen: 
Wohlhabende Arme 
nach 5 Jahren noch 943 655 
- 10 - - 938 598 
- 20 - - 866 566 
- 30 - - 796 486 
- 40 - - 695 396 
Die Zahlen der ersten 
durch Zusammenstellungen 
Wohlhabende Arme 
nach 50 Jahren noch 557 283 
— 60 - - 398 172 
— 70 — — 2.15 65 
— 80 — — 5 < 9 
Colonne (Wohlhabende) erlangte Casper 
der bei adeligen Familien eingetretenen 
Sterbfälle, jene der zweiten (Arme) aber aus den Listen der seit vielen 
Jahren in Berlin verstorbenen Stadtarmen. — Die durchschnittliche Le 
bensdauer stellte sich bei den Reichen auf 50, bei den Armen nur auf 
32 Jahre. Der Zufall, der ein Kind auf dem weichen Polster der Rei 
chen geboren werden liess, gab ihm also ein Geschenk von vollen 18 
Jahren Lebensdauer mehr mit auf den Weg, als dem auf dem Stroh 
lager der Bettlerin zur Welt gekommenen Kinde. Das Missverhältniss 
tritt, wie man sieht, schon in der frühesten Zeit, es tritt aber am aller- 
*) Seit ein starkes Sinken des Geldwerthes eingetreten ist, kann der Markt 
preis des Getreides aus zwei entfernt von einander stehenden Epochen (z. B. 
aus den 1820er und 1850er Jahren) selbstverständlich nicht mehr nach der ein 
fachen Geldziffer als Maasstab der Wohlfeilheit oder Theuerung gelten.
	        
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