Die Schätzungen nationalistischer Tendenz stehen im Dienste
der Volkswirtschaft, der Bedarfsdeckung und Rohstoffpolitik eines
nationalistisch oder gar imperialistisch auftretenden Staatswesens;
sie können nur in seltenen Fällen geheimgehalten werden und
sind zwar vielfach tendenziöser Darstellung und Einseitigkeit ausgesetzt,
aber doch schon mehr wissenschaftlichen Charakters,
wenigstens in ihren Grundlagen, nicht aber in ihrer politischen
Auswertung.
Die humanistische Tendenz schließlich erstrebt eine offene und
ungefärbte Darstellung der Lagerstättenvorräte im Sinne einer
wirklichen Weltwirtschaft, d. h. möglichst billiger Deckung des
jeweiligen Weltbedarfs ohne unwirtschaftliche, also künstliche Bevorzugung
dieses oder jenen Bergreviers aus politischen und antipazifistischen
Gründen.
Eine wirtschaftliche Verständigung aller kapitalistischen und
nationalistischen Interessensphären im Sinne einer wirklichen
Weltbergwirtschaft ist nun vorläufig absolut ausgeschlossen; damit
darf heute noch kein wissenschaftlicher internationaler Kongreß
rechnen. Weil aber die Wissenschaft als solche und ihre Pflege
international sind, und auch dieser Geologenkongreß wieder ein
internationaler geworden ist, so muß es auch erlaubt sein, wirtschaftliche
Fragen methodisch-wissenschaftlich zu behandeln, d.h.
vom rein humanistischen, weltwirtschaftlichen Standpunkt aus.
Gerade weil wir wissen, daß die Welt tatsächlich egoistisch und
nationalistisch bewirtschaftet wird, vielleicht so bewirtschaftet werden
muß, um vorwärts zu kommen, so müssen wir für eine wissenschaftliche
Behandlung internationaler Wirtschaftsfragen als Arbeitshypothese
die Annahme zugrunde legen, es wäre schon heute
eine humanistisch eingestellte Weltwirtschaft möglich. Das ist ja
der Sinn jeder internationalen Arbeitsgemeinschaft, jedes Weltkongresses!
Für die reine Wissenschaft oder für eine allgemein heilsam
angewandte Wissenschaft, z. B. die Medizin, ist das heute allgemein
anerkannt und gilt als selbstverständlich, obgleich es nicht
ımmer so war, — für die Wirtschaft aber wird das aus naheliegenden
Gründen noch durchaus bestritten, und eben deshalb liegt die
gesamte Wirtschaftswissenschaft, die Lehre von den Werten, noch
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