Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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amerika und Westindien stattgefunden hatten!). Auf einflußreicher 
Seite bestanden gegen eine solche Kompanie große Bedenken; 
insbesondere Oldenbarneveld vertrat diese. Aus einem 
Oktroi für eine Kompanie nach dem Westen werde, so befürchtete 
er, ein Monopol für Salz und Häute entstehen, da Salz aus West- 
indien und den Kapverdischen Inseln bezogen wurde, so lange die 
spanisch-portugiesische Fahrt unmöglich war; oder es würde ein 
Mangel an Salz eintreten, was dann wieder für die so überaus wichtige 
Heringsfischerei höchst verderblich sein müsse?). Über diese und 
andere Bedenken setzte man sich hinweg, als nach dem Sturze 
Oldenbarnevelds und mit dem Ablauf des Waffen- 
stillstandes die Gründung der Kompanie beschlossene Sache 
wurde. Die neue Kompanie, die zugleich ein Monopol 
für die Fahrt und den Handel nach der Westküste Afrikas, Nord- 
und Südamerika und dem Stillen Ozean erhielt, hat von Be- 
ginn an einen ausgesprochen kriegerischen, 
offensiven Charakter gehabt; sie sollte die spanischen 
Besitzungen in der Neuen Welt angreifen und dadurch die feindlichen 
Streitkräfte zersplittern?). Sodann aber sollte die Kompanie dem 
Mutterlande Handelsvortelle bringen; und zwar hoffte man von 
ihr größere als von der Ostindischen Kompanie, die dem Mutter- 
lande nur Geld entziehe und Waaren zuführe, während man in den 
der Westindischen Kompanie zugewiesenen Gebieten Gold zu finden 
1) Über ältere Brasilfahrten der Holländer vgl. Haepke, Nied. Akten 
II, 421 ff. Bereits 1613 hat in Paramaribo eine Faktorei der Amsterdamer be- 
standen (van Brakel, Een Amsterd. Factorij). Über die ältesten Guinea- 
fahrten der Holländer (1594 ff.) vgl. van Gelder, Scheepsrekeningen. 
2? van Ravesteyn, 5S. 234f.; über die holländische Salzfahrt nach 
Westindien 1602 vgl. Haepke, Nied. Akten, II 428{ff.; über die Entdeckung der 
Salzlager 1599 vgl. Stoppelaar, Balth. de Moucheron., S. 170 ff. 
3) van Erakel ) /Handelscompagnien, S: 32ff.i; Wätjen, /Holl. 
Kolonialreich, S.34f. Auch die Konkurrenz anderer seefahrender Nationen wollte 
man durch die Kompanie bekämpfen; so heißt es in dem, wohl auf Usselinx 
zurückgehenden ‚‚Advies tot aanbeveling van de verovering van Brazilie door de 
Westindische Compagnie‘ vom ı2. September 1622, daß der Verfasser vor Jahren 
den Generalstaaten die Notwendigkeit der Eroberung der spanischen Besitzungen 
in Amerika dargelegt habe, die z. T. diene ‚,‚tot verminderinge van Englands, Schot- 
lands, Vranckrijks en der Hanseesteden haer Seevaert‘ (Stukken v. d. geschiedenis 
d. Vaterlands, uid het Archief van Hilten, III, S. 2). Vel. auch Jameson, 
Usselinx, S. 54{ff.
	        
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