Die geordnete, friedliche Güterbeschaffung mit ökonomischen
Mitteln setzt eben eine gewisse Rechtsordnung, eine moralische
Bindung an Begriffe wie Ehrlichkeit, Wahrheit, Gerechtigkeit
und dergleichen und ein Sicheinfügen des wirtschaftenden Men-
schen in diese moralische Gedanken- und Gefühlswelt voraus.
Wer sich aus ihr heraus hebt, sei es infolge von Schwächen
und moralischer Defekte, wie der Verbrecher, sei es aus Kraft-
gefühl, Machtbewußtsein und antisozialer Anschauung, wie
beim Herrenmenschen oder bei rassenmäßigem Überlegenheits-
gefühl, dem stehen der mehr oder weniger verachteten, unteren
oder irgendwie (z. B. auch religiös) anders gearteten Mitwelt
gegenüber das politische Mittel, der Kampf, Raub, Betrug usw.
zur Verfügung. Fähigkeiten gehören in jedem Falle zum Erfolg:
sind es dort Fleiß, Aufmerksamkeit, Sparsamkeit, so hier Mut,
Entschlossenheit, Großzügigkeit usw.
Wir sehen: eine andere Welt und doch dasselbe System; im
Grunde dieselben Begriffe und doch ganz andere Worte.
Es handelt sich stets darum: welche Wirtschaftsordnung
herrscht, und ist eine Macht da, welche diese Ordnung aufrecht
erhält, sei es ein Familienvater, der Stamm- oder Dorfälteste,
ein Stadt- oder Staatsoberhaupt. Wo die Ordnung noch fast
gänzlich fehlt, wie in der Weltwirtschaft, herrscht zwischen den
Staaten und Nationen noch durchaus das politische Wirtschafts-
mittel, dem alles erlaubt ist, wenn es sich auch ständig und
neuerdings mehr denn je mit früher religiösen, heute morali-
schen und humanistischen Mäntelchen drapiert.
Auch hier ist übrigens zu fragen: wo Hiegt bei dieser feind-
lichen Zweiheit das erlösende Dritte? — Davon im Schlußwort.
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