Full text: Bergwirtschaftliche Arbeitsgemeinschaft

Standpunkte her ganz verschieden aus. Auch der Händler ver- 
söhnt nicht beide, sondern ist selber entweder Verdiener oder 
Versorger der Allgemeinheit. Also stets zwei Seelen in einer 
Brust, auch in jeder Staats- und Kommunalverwaltung. 
Die Praxis selbst ist — wie stets in solchen Fällen — ein Kom- 
promiß; man verständigt sich vorläufig, aber kompromittiert 
sich auch, stellt sich mit seiner Verlegenheit einstweilen bloß 
und hofft auf eine spätere Lösung oder — abermalige Ver- 
ständigung. Vgl. Schema 3 und 4 auf S. 70. 
4. Nationalwirtschaft und Weltwirtschaft 
Was von dem wirtschaftlichen Verhalten zwischen Einzel- 
mensch zum Volk gilt, trifft ebenso zwischen „Ländern und 
Reich“ zu, zwischen Nationen und internationalen Verbänden, 
zwischen Rassen und Menschheit. Es ist stets dieselbe Polarität, 
der Individualbegriff nur jedesmal ein anderer; dort sind es 
einzelne Menschen, hier einzelne Staaten, Nationen, Völker; 
dort heißt es Egoismus, hier Autarkie, Selbstgenugsamkeit. 
Der äußere Ausdruck nationaler Wirtschaftsabgrenzung 
gegeneinander ist der Zollschutz, die Zollschranke, die Er- 
schwerung des freien Handels und Austausches durch Abgaben, 
die schwache innere Wirtschaften schützen sollen gegen stärkere 
äußere. 
Der Gegensatz dazu ist die freihändlerische Einstellung auf 
weltwirtschaftlichen Austausch zwischen billigstem Erzeu- 
gungsort und bedürftigstem, alsozahlungswilligsten Verbrauchs- 
ort ohne Rücksicht auf weniger leistungsfähige inländische Be- 
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