Object: Theorie der forstlichen Oekonomik

Objektiver und subjektiver Waldwert. 8.3 
Kostenwerte als subjektive, Ertrags- und Erwartungswerte aber als 
objektive Werte ansieht, eine Unterscheidung, die durch nichts begründet 
sein würde. Eine endgültige Klärung wird meines Erachtens auch dadurch 
nicht herbeigeführt, wenn Endres später fortfährt: „In der Waldwert- 
rechnung und forstlichen Statik sind alle objektive Werte Tauschwerte!).“ 
Immerhin ist den Vertretern der Waldwertrechnung aus dieser Unklarheit 
des Wertbegriffes kein Vorwurf zu machen, da er ja auch innerhalb der 
Wirtschaftswissenschafgt im Mittelpunkt der widerstreitendssten Ansichten 
steht, unter denen diejenige Liefmanns den Vorzug der Folgerichtigkeit 
und Klarheit für sich hat. 
Praktische Bedeutung der Waldwertrechnung. 
Die mehrfach zitierten Ausführungen Lemmels, die zu einer Ab- 
lehnung der „bodenreinerträglerischen Methoden der Wertermittlung, der 
Zurechnung, der Ableitung des forstlichen Zinsfußes und der wirtschaft- 
lichen Kalkulation (Umtriebsberechnung) gelangen?)“, haben bei einigen 
Forstleuten den Eindruck erweckt, als sei nun die Waldwertrechnung als 
Gegenstand der Jorstwissenschaft sozusagen überflüssig geworden. Davon 
kann keine Rede sein; es ist nur an der Zeit, sie aus ihrer mathematischen 
Erstarrung zu neuem, den tatsächlichen Verhältnissen angepaßtem Leben 
zu erwecken. Selbst wenn man sich zu der Ansicht Liefmanns bekennt, 
daß es überhaupt keine Möglichkeit gibt, Werte all g e m e in aus- 
zudrücken, wird man doch zugestehen müssen, daß es in der Forstwirtschaft, 
ebenso wie in jeder anderen Wirtschaft, eine Reihe von Fällen gibt, in 
denen man um eine Be wertung, das ist um eine Bezifferung in 
Geld, nicht herumkommt. Es wird sich aber immer um ganz 
b e stim mt e Z we > e handeln, für die diese Bewertung vorgenommen 
wird, und je nach dem Zwecke wird auch die Methode und das Ergebnis 
der Bewertung durchaus verschieden sein müssen. Es kann nicht Aufgabe 
dieser Arbeit sein, eine abschließende Aufzählung der verschiedenen möglichen 
Fälle zu geben; wir werden uns vielmehr auf eine Erörterung der wichtigsten 
Fälle, in denen solche Bewertungen vorzunehmen sind, zu beschränken haben. 
Wir haben auf die beiden möglichen Formen der Rechnung hin- 
gewiesen): Entweder das Kapital ist gegeben und der Ertrag bekannt, 
dann ist die zu berechnende Unbekannte das Verzinsungsprozent; in 
!) Daselbst, S. 4. 
?) Lemmel, Die Bodenreinertragslehre im sozialökonomischen Lichte, i. d 
stitt; k y . F Februarheft 1925, S. 87. 
s) Val. S. 61. 
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