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Schienen sind bei der Berücksichtigung der sonst üblichen Preise
auf Roheisen verhältnismäßig hoch. Wenn sie so hoch gehalten
werden, geschieht es, um den Export nach dem Auslande um 2ö°/ 0
billiger, als die inneren Marktpreise sind, zu ermöglichen 1 .“ Die
Regierungspolitik offenbart sich damit in voller Klarheit. Sie besteht
also, wie auch schon früher berührt wurde, in der künstlichen Unter
stützung einer Reihe bestimmter Kreise von Großindustriellen durch
Zahlung von hohen Preisen. Dies geschieht in der Annahme, daß
der Staat die Produktions- und die Absatzverhältnisse seiner Klienten
für die in seinem Sinne nötigen Zwecke beeinflussen könne. Die
Ausfuhr von Eisenbahnmaterial hat also einen rein künstlichen
Charakter. Wenn wir aber verschiedene künstliche Mittel außer
Betracht lassen, und die Frage stellen, oh die russische Eisenindustrie
bei dem Eisenbahnmaterialexport einen festen Boden unter den
Füßen hat, so müssen wir die Frage verneinen. Im günstigsten Falle
können nur ein paar Gesellschaften, die besonders günstige Produktions
verhältnisse haben, zeitweilig die guten Konjunkturen im Auslande
ausnutzen. So konkurrierten einige südrussische Eisenwerke im
Jahre 1907, als die Schienenpreise in Europa sehr hoch waren, mit
einem gewissen Erfolg mit dem Weltsyudikat für Schienenproduktion.
Sie sind sogar jetzt in dieses Syndikat als Mitglieder eingetreten und
haben 7 °/ 0 des Gesamtabsatzes auf ihren Anteil bekommen. Von
einer planmäßigen Entfaltung aber des Schienenexportes, wie auch
besonders anderer Eisenbahnartikel kann hier ernstlich nicht die
Rede sein. Es wird immer die wichtigste Tatsache bleiben: je
komplizierter die Produktion ist, um so mehr braucht sie qualifizierte
Arbeitskräfte und Arbeitsprozesse für die Herstellung dieser Produkte,
und desto schwieriger wird die Konkurrenz zwischen den relativ
unvollkommen organisierten russischen Werken und den besser ein
gerichteten ausländischen; dabei sprechen wir noch gar nicht über
das Vorhandensein einer dazu notwendigen Exportorganisation und
fester Beziehungen zu ausländischen Kunden.
Der Export der übrigen Marktsorten, die wir erwähnt hatten,
hat keine erkennbare Bedeutung. Es wurden Mengen von Schwellen
wie auch andere Sorten ausgeführt. Daun kommt Bruch und altes
Eisen in Betracht usw. Auch bei der Absetzung von Marktsortimenten
kommt hie und da eine Tendenz zur Geltung, den Export auf Kosten
der inneren Konsumenten zu betreiben. So exportiert man gerne
die Eisenprodukte, die auf dem inneren Markte kai’telliert sind, und
dann unter Preisen, die bedeutend niedriger als die inländischen sind.
Damit gelingt es auch, die Preise auf dem inneren Markte hoch zu halten.
Als Absatzmärkte für die russischen Exportprodukte erscheinen
einige Länder der Balkanhalbinsel, ferner Italien, Deutschland,
1 Kaffenhaus, a. a. 0., S. 143.