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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
33. DIE KOFFERETIKETTE ALS
REISENDER PROPAGANDIST
Es war einmal ein kleiner wißbegieriger Bub. Als er vier
Jahre alt war — lang, ach so lange ist es her — machte er
eine heimliche Entdeckungsreise in das reichausgestattete
Familienmuseum, Rumpelkammer genannt. Dort sah er sich
in ein Zauberreich von nie geahnter Pracht und Herrlichkeit
versetzt. Was gab es in dieser mit rührender Pietät erhaltenen
Rumpelkammer nicht! Sie waren alle da, die zerschundenen
Möbel, altertümlichen Bilder, zerbrochenen Figuren und Por-
zellane, längst vergessenen Spielsachen und nach Moder
duftenden Kleider aus der Großmutter Jugendtagen. Der kleine
Bub starrte mit großen Märchenaugen auf diese Schätze aus
Tausendundeiner Nacht. Am liebsten hätte er alles hinunter-
getragen in sein Stübchen und die Kostbarkeiten ein würdiges
Auferstehen feiern lassen. Doch er wagte nichts anzugreifen,
denn sein Vater war in solchen Dingen streng, und ihm blieb
auch keine Zeit dazu. Sein Blick war auf eine leuchtende
Farbensymphonie gefallen, die dem kleinen Jungen in all ihrer
Pracht und Herrlichkeit den Atem benahm.
„Das ist aber schön“, wagte er in scheuer Ehrfurcht nur zu
flüstern und seine Finger, mit dem Schmutze eines halben Tages
daran, strichen weich und liebevoll über seiner Großmutter
längst vergessene Reisetasche. Sie war von ihr selbst auf festen
Stramin gestickt worden und eine blühende Farbenphantasie
hatte sich bei der Arbeit ungezügelt ausgetobt. Alle nur denk-
baren Farben hatten sich in wunderlichen Arabesken und
Schnörkeln auf der ziemlich großen Reisetasche ein Stelldich-
ein gegeben. Der ehemals vergoldete, starke Bügel war in steter
Pflichterfüllung blind geworden. Dem kleinen Buben schien
er aber immer noch lauteres Gold zu sein. Quer über die ganze