WIE FESSELE ICH MEINE GÄSTE
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56. WIE FESSELE ICH MEINE GÄSTE?
Außergewöhnliche Verhältnisse und Zeiten bedingen außer-
Fewöhnliche Maßnahmen... Namentlich Saisonhotels spüren es
zuweilen schmerzhaft — — in ihren Kassenrapporten. In den
Schlußbilanzen wird es katastrophal in Erscheinung treten,
wenn der Wettergott es böse meint, die Sonne für immer unter-
gegangen zu sein scheint und nur der Regen sich „Beständigkeit“
bewahrt hat. Dann aber gibt es bekanntlich großes Wasser, und
in dieses Wasser fallen Tausende, nein, Hunderttausende von
Reiseplänen, die nicht zur Ausführung kommen.
Jene aber, die gekommen sind, langweilen sich und gähnen.
Wer aber schon so weit ist, daß er tagsüber vierundzwanzigmal
gähnt, der ist reif für die Abreise, Falls der Hotelbesitzer nicht
das Kunststück fertig bringt, den noch Schwankenden auf
andere Gedanken zu bringen. Ihn durch seine Einfälle zum
Bleiben zu bewegen. Es ist das auch eine Form der Reklame,
aber sie gehört mit zum schwersten Teil dieses nicht leichten
Kapitels. Tatsächlich, die Sorge: wie halte ich meine Gäste
fest?, beherrscht in bestimmten Situationen die Situation. Das
mag auf den ersten Blick paradox erscheinen, ist es aber nicht.
Wer durch anhaltend bösartiges Wetter ans Haus gefesselt ist,
der liebäugelt mit dem Gedanken (wenn er es nicht gerade mil
Seinem reizenden Gegenüber tat), sich durch einen raschen
Entschluß zu befreien. Der Entschluß heißt: „Ich mache nach
Haus!“, wenn es ein Sachse oder Thüringer ist und: „Ick reiße
aus um jeh wieder zu Muttern!‘“, wenn es sich um einen
geborenen Berliner aus Kyritz an der Knatter handelt.
Wie halten wir die nach Hause Machenden und die Aus-
reißenden fest? So fragen sich an regenschweren Tagen sorgen-
voll viele Hotelbesitzer. Nun, man biete seinen Gästen Abwechs-
lung, Anregung, Sensation, damit aus dem Gähnen der Gäste
Nicht ein gähnend leeres Haus werde. Kurz, man versuche, in