GÄSTEWERBUNG DURCH BRIEFE 480
Nr. 2 und 3 der Kartothek mache man auf die Schönheiten
des Ortes und die Vorzüge des eigenen Hauses aufmerksam.
Man bitte darum, bei Ausarbeitung der nächsten Erholungsreise
Frohwinkel in das Programm mit einzubeziehen. Es würde
sicher nicht bereut werden. Der beigefügte Prospekt orientiere
über die schöne, bequeme Lage des Hauses und die muster-
gültige Inneneinrichtung. Die Preise entsprächen dem Ge-
botenen, blieben eher noch dahinter zurück. Küche und Keller
seien gepflegt und genügten verwöhntesten Ansprüchen,
Was ich unter Nr. 3 gesagt habe, kann jeder Gaststätten-
betrieb, also auch Restaurants, Dielen, Kaffeehäuser usw. be-
folgen. Ich meine: Beachtung aller als Gäste in Betracht kom-
menden Persönlichkeiten und Ööftere briefliche Aufforderung
zum Besuch,
Natürlich ist es nötig, daß die Kartothek gut und zuverlässig
geführt wird. Es darf nicht etwa an Leute geschrieben werden:
Wir haben Sie seit drei Jahren sehr vermißt, die vor zwei
Monaten da waren oder sich für die nächste Zeit angesagt
haben. Wenn man der Kartothek täglich nur wenige Minuten
widmet, und sie stets auf dem Laufenden gehalten wird, So ist
diese Arbeit Spielerei, die obendrein zuweilen noch sehr inter-
essante Einblicke in den eigenen Betrieb gewähren wird.
Es ist vorgekommen, daß an Gäste, die in anderen Häusern
am gleichen Platze abgestiegen sind, Werbebriefe und Werbe-
prospekte geschickt wurden. Womöglich, als sie noch am
Platze weilten. Das ist unfair. Es wird auch schwerlich bei Be-
trieben sich ereignen, die taktvoll geleitet werden, und die
sorgsam über ihren guten Ruf wachen. Es ist aber, schon der
Vollständigkeit wegen, nötig, auch solche Dinge zu streifen.
Bei dieser Gelegenheit seien ein paar Worte über den „Kon-
kurrenzkampf“ eingeflochten. Konkurrenz läßt sich im Wirt-
Schaftskampf nicht vermeiden. Sie ist sogar notwendig. Wo
keine ernstliche Konkurrenz besteht, tritt sehr leicht erst Stag-
nation, dann Rückschritt ein. Aber jede Konkurrenz soll immer
im Rahmen der geschäftlichen Wohlanständigkeit bleiben. Das
alte wahre Sprichwort darf nie außer Acht gelassen werden:
Was du nicht willst. das man dir tu’, das füg’ auch keinem
andern zu!
In dieses leidige Kapitel gehört auch das Abfangen der
Reisenden an Bahnhöfen und Schiffslandeplätzen durch soge-
nannte „Schlepper“. Das Hotelwesen handelt im eigenen Inter-