DIE ANZEIGENZENTRALE DES REICHSVERBANDES DER HOTELS USW. 687
hat. Diese Werbekampagnen stellten im Hotel- und Gastgewerbe
etwas so absolut Neues und Ungewöhnliches dar, daß
ein kurzes Verweilen angebracht und notwendig ist.
Die erste große. Aktion ging unter dem Kennwort „Der aufmerksame
Ehemann“. Sie wandte sich an die Männer, an deren
Galanterie appelliert wurde, und an die Frauen, denen ein von
der Küchenarbeit „freier Sonntag“ beschert werden sollte.
Statt vieler Worte verweise ich den verehrten Leser auf das
Kapitel: „Eine Werbekampagne großen Stils. — Der aufmerksame
Ehemann“, worin ich diese Aktion ausführlich schildere.
Die nächste große Werbekampagne ‘ der Anzeigenzentrale
hatte ein noch großzügigeres Problem als Ziel: Das Wochenende
nach englischem Muster in Deutschland einzuführen.
Auch diese Aktion war, in ähnlicher Weise wie der Aufmerksame
Ehemann, geschickt inszeniert. Leider zeigte sich bei ihr
aber eine Erscheinung, die im Hotelgewerbe öfter beobachtet
werden kann: Uneinigkeit. Der Gedanke stieß dort auf Widerstand,
wo man sich durch das Wochenende keine persönlichen
Vorteile versprach. Vielleicht eher eine Schädigung fürchtete.
Es muß das hier flüchtig gestreift werden, weil natürlich eine
gewisse Selbstdisziplin und Rücksichtnahme auf die Allgemeinheit
notwendig ist, wenn große Ziele angestrebt werden sollen.
Für verschiedene Hotelbetriebe in Kurorten und Fremdenverkehrsstädten
hat die Anzeigenzentrale im Sommer 1926 eine
Wochenendwerbung organisiert und systematisch durchgeführt.
Auch darüber berichte ich in einem besonderen Kapitel. Die
Angehörigen des Gastgewerbes werden gut tun, diese Idee im
Auge zu behalten. Soweit ich Kenntnis davon erhielt, sind die
Maßnahmen der Anzeigenzentrale geschickt ausgedacht und
ebenso geschickt durchgeführt worden. Wer sich am Wochenende
beteiligen will, beziehungsweise wer diesen Gedanken
werbetechnisch auch für den eigenen Betrieb auswerten möchte,
dürfte am besten fahren, wenn er sich vorher mit der Anzeigenzentrale
in Verbindung setzt.
Die dritte große Werbekampagne behandelte zwei miteinander
in Verbindung stehende Motive: Propagierung des deutschen
:Weines (um seinen Konsum zu heben) und Werbung
für den Besuch der Hotels und Restaurants nach dem Theater.
Das Motto dieser Aktion lautete deshalb auch:
„Nach dem Theater, nach der Abend-Unterhaltung gleite man
” ahlich in die Welt der Wirklichkeit zurück und weile noch