Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

142 Elftes Buch. Drittes Kapitel. 
Entwicklung schon seit dem 11. und 12. Jahrhundert von der ge⸗ 
meindeutschen abwich, und diese Abweichung war möglich, 
weil Flandern von der Centralgewalt des alten Reiches fast 
garnicht erreicht, viel weniger noch geführt und gepflegt ward. 
Im Mittelalter indes hatten die Vlamen um die Zeit, 
da sie einem französischen Staate anheim zu fallen begannen, 
eben eine großartige Bewegung beendet, die sie noch einmal 
in sehr merkwürdiger Weise mit der Nation in vollkommne Ver⸗ 
bindung brachte. Sie hatten Nordwestdeutschland von der 
Weser ab, sie hatten vor allem Norddeutschland von der Elbe 
bis zur Oder und Weichsel hin kolonisieren helfen. Sollte diese 
glänzende Äußerung nationaler Kraft ohne Rückwirkung bleiben? 
Eine Reaktion aber konnte nur auf dem Wege dauernd gestei⸗ 
gerten Verkehrs zwischen dem Westen und Osten Deutschlands 
erfolgen. Und so trat sie ein. Es sind Zusammenhänge, die 
unmittelbar zur Geschichte der Hanse hinüberführen. 
IV. 
Der deutsche Handel im Norden hatte sich zu einer Zeit, 
da die Ostseegebiete noch keine deutsche Kolonisation und mit— 
hin auch keinen eignen deutschen Hafen sahen, naturgemäß 
zunächst auf die Nordsee und damit auf England erstreckt!. 
Offnen sich doch die Flußmündungen des Rheins sowie der 
Maas, der größten deutschen Verkehrsstraßen im früheren Mittel⸗ 
alter, und der Themse, des Londoner Handelswegs, gegen⸗ 
einander wie gastlich gelegene Thore. 
Nun lag England bis zur Entdeckung der Neuen Welt 
und zum Übergang des großen Handels auf die Weltmeere 
durchaus seitwärts zu den Wegen des internationalen Verkehrs; 
erst seit dem 17. Jahrhundert ist seine centrale Bedeutung auf 
dem Gebiete des Handels erwachsen. Die Folge war, daß es bis 
gegen Schluß des Mittelalters kaum einen Activhandel hatte; 
die Oraft gilds und die Merchant gilds, die Kaufleute- und 
Handwerkergenossenschaften sind in England lange ungetrennt 
1 Vgl. Band III S. 21f.
	        
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