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I. Einleitung.
Werkstätten und Fabriken nnd bei sonstiger Berührung mit
ihren Arbeitsgenossen den socialistischen Samen ausstreuen
und für die „rothe Fahne" werben. Ist auf diesem Wege
eine kleine Anzahl gewonnen, und für das öffentliche Hervor
treten eines Agitators ein kleiner Stab gebildet und einge
schult, dann erst wird der Versuch gemacht, auch in üffent-
licher Bersanimlung das Netz auszuwerfen. Der Agitator
unternimmt keine öffentlichen Versammlungen, so lange er
sich nicht von einer zuverlässigen Leibgarde umgeben weiß.
Eine wirksame Bundesgenossin hat die persönliche Agita
tion in der social-demokratischen Presse. Die niomentane
Begeisterung, welche dem „referirenden" Agitator zu entzünden
gelungen ist, soll die regelmäßige Thätigkeit der Preste in
den Gemüthern festhalten und vertiefen, und da cs doch
immerhin nur ein kleiner Bruchtheil der Arbeiterbevölkerung
ist, welcher unter den Einfluß der persönlichen Agitation
gebracht werden kann, so soll die Preste als stummer Agita-
tor überall hin vordringen und das Feiler der Begeisterung
für die socialistische Idee in jede Arbeiterwohnung tragen.
Tie stille Arbeit der social-demokratischen Parteipresse verdient
daher in viel höheren: Grad unsere Beachtung, als die
gewöhnlich mit viel Lärm auftretende „fliegende" Agitation,
deren Reden, auch wenn sie von noch so viel Begeisterung
getragen sind, doch rasch verfliegen, während das geschriebene
Wort die Eigenschaft und die Fähigkeit hat, sich tiefer in
die Seele des Lesers einzugrabcn. Zur Förderung der
Agitation durch die Preste wird daher von der Social-
Demokratie kein Opfer und keine Mühe gescheut. Welche
Bedeutung diesem Agitationsniittel beigelegt wird, können wir
ans dem „Unsere Parteipresse" überschriebenen Leitartikel des
„N. Soc.-Demokr." (1873, 111) ersehen, worin es heißt:
' "Ein einmaliges Wort verhallt, immer und minier wieder