Contents: Sittlichkeit in Ziffern?

Prostitution. 
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München und Karlsruhe schwankte, Neher zufolge, 1912 die 
Zahl der geheimen Prostituierten zwischen 112 und 120 auf 
100000 Einwohner 2% Auf keinem Gebiete der Statistik dürfte 
aber die Methode der Schätzung „bodenloser‘““ sein als auf dem 
der Prostitution. 
Nebenbei bemerkt: Wenn die weiblichen Zahlen schon 
schwankend sind, so fehlt für die männlichen Benutzer der 
Prostitution jeder statistische Anhaltepunkt sowie, mehr noch, 
jeglicher Wille zur Statistik. „Toute une population masculine 
est solidaire, bien entendu, des vices de ces legions de prosti- 
tuges. A-t-on tente d’en operer le recensement? Ce ne serait 
que justice242!‘ Für diesen an sich begreiflichen Gram der 
Feministen gibt es hingegen keine statistische Remedur. Für 
den Großteil der romanischen, slawischen und skandinavischen 
jungen Männer gilt das gleiche, was Willy Hellpach für 
Deutschland aussagte: „Der überwältigenden Mehrzahl unserer 
Junggesellen ist das sexuelle Vergnügen eine Selbstverständ- 
lichkeit, wie ihr Skat, ihre Vereinsabende, ihr Glas Bier; und 
von den wenigen, die anders leben, entfällt ein Teil in das 
Register der Schüchternheit oder der Armut (sie möchten 
stituierten gescheitert. Zur Zeit des 1394 in Frankfurt a. M. abgehaltenen 
Reichstages wurden dort 800 Dirnen gezählt; zu den Konzilien von Basel 
und Konstanz sollen 1500 fahrende Frauen herbeigereist sein. Der in seiner 
Eigenschaft als Reichsmarschall die Aufsicht über die Prostituierten füh- 
rende Herzog von Sachsen suchte in Basel eine Zählung der während des 
Konzils dort anwesenden Dirnen zu veranstalten, konnte aber sein Vorhaben 
nicht zu Ende führen, da der mit der Zählung Beauftragte die Folgen 
seiner Arbeit fürchtete (Karl Bücher, Die Frauenfrage im Mittelalter, 
2. Aufl, Tübingen 1910, Laupp, S. 49) oder, wie andere vermeinen, 
deshalb in der Mitte seiner Aufgabe stecken blieb, weil es bei dem Mangel 
jeglicher polizeilicher Meldevorschriften und dem Versagen des Über- 
wachungsdienstes unmöglich war, die Schlupfwinkel und Quartiere der zu- 
gezogenen fahrenden Weiber zu ermitteln. 
241 A, Neher: Die geheime und öffentliche Prostitution in Stuttgart, 
München und Karlsruhe, Paderborn 1912, Schöningh, 
242 M. d’A. Cinquante annees de visites a Saint-Lazare, p. 297.
	        
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