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aber Staatsbetrieb gewählt wird, so darf die Volkswirtschaft erst
recht verlangen, daß er mustergültig, rationell geführt werde, da
man etwaige Defizite vom Staate, d. h. aus den Steuergeldern,
bestreiten muß. Und es ist nicht rationell, die Ausgaben nur durch
oeriodische Erhöhung der Preise der Verkehrsleistungen (Post-
vorti, Tarife) decken zu wollen, sondern es sind die Ausgaben eben
durch Rationalisierung des Betriebes, des Dienstes, des Material-
ainkaufes u. a. derart zu senken, daß mit wirtschaftlich erträg-
lichen Tarifen und Porti das Auslangen gefunden werden kann.
Die moderne Technik und Betriebslehre geben genug Mittel an,
um auch die Verkehrsunternehmungen So rationell als möglich zu
führen.
Den rationellen Fortschriften im Verkehrswesen stehen nun einige
sicht leicht zu überwindende Hindernisse entgegen. Da ist zunächst
der weitverbreitete, tiefwurzelnde Bureaukratismus (den wir auch
im Abschnitte »Öffentliche Rationalisierung« kennen lernen werden),
der die »vis inertiae« in reinster Form darstellt und jeder Neuerung
abhold ist. Umlernen, anders denken und handeln als bisher, liegt
nun einmal für den Bureaukraten außerhalb der Möglichkeit und der
schädliche, retardierende Einfluß des Bureaukratismus zeigt sich etwa
nicht bloß in öffentlichen (staatlichen) Verkehrsbetrieben, sondern
auch in solchen, die einer privaten Führung unterstehen, da er
aine untrennbare Funktion jedes Unternehmens mit großem,
mehrtausendköpfigem Beamtenkörper, selbst von Industrie- und
Bankaktiengesellschaften zu sein Scheint... Nur sehr. energische
Führerpersönlichkeiten, mit überragendem Intellekt und weitem
Blick sind imstande, entgegen der »passiven Resistenz« der
Bureaukraten die notwendigen Reformen des Betriebes in rascher
Zeit durchzuführen.
Bei staatlichen Verkehrsunternehmungen kommt als erschwerend
hinzu der — man könnte sagen — fiskalische Bureaukratismus,
der sich in der Regel in einer fürchterlich irrationellen Engherzig-
keit äußert und lähmend auf jeden Reformgeist wirken muß. Beim
gewöhnlichen administrativen Bureaukratismus ist der hauptsäch-
liche finanzielle Schaden der, daß selbst wichtige Entscheidungen,
wie der rechtzeitige Einkauf von Materialien zu einem günstigen
Preise oder dringend notwendige Instandhaltungsarbeiten an Bauten
u. dgl., übermäßig lange hinausgezögert werden, weil zu viele Re-
visions- und andere Instanzen mitzureden haben und niemand da