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Ist Rationalisierung »Höchst-« oder »Bestleistung«, so ist dieses
oberste Ideal selbst bei der Maschine nicht zu erreichen, ihre
stärkste Beanspruchung nicht dauernd zulässig: man muß Rücksicht
auf ihre Abnützung nehmen. Um wieviel mehr gilt dies vom
arbeitenden Menschen, der seine »Betriebskraft« selbst erzeugt und
ihren Stoff verbraucht! Daher ist, wie an anderen Orten gezeigt
wurde, die größte Anstrengung (Intensität) nicht gleichbedeutend
mit der größten Ergiebigkeit der Arbeit (Produktivität). »Wozu
dienen auch sehr hohe Löhne, wenn der Genuß des verbesserten
Lebensstandards durch allzu intensive Arbeit verhindert wird?« Nun
liegt es erfreulicherweise in der Richtung der tatsächlichen Ent-
wicklung, den Anteil der menschlichen Arbeit an der Energie-
ausgabe ständig zu verringern, die geleistete Arbeit ständig zu
erleichtern; die Arbeit wird zugleich zu höheren Leistungen be-
fähigt, die Leistungsfähigkeit des Arbeiters aber länger als früher
erhalten. Z. B. können Arbeiter an automatischen Webstühlen bis
zum 60. Lebensjahre gleich hohe Löhne erzielen — in primitiv
ausgestatteten Betrieben fallen sie schon im 32. Lebensjahr stark ab.
Nun muß man im Phänomen der »Ermüdung« mehrere Unter-
arten scharf unterscheiden: die Abnützung (des Körpers), d. 1.
sine chronische Wirkung der Arbeit (laboriundo consumor); die
Ermüdung, d. i. die akute Wirkung der Arbeit im objektiven
Sinn, und die Müdigkeit, d. 1. das subjektive Gefühl des Müdeseins
(vgl. »Ermüdungsstudien« auf dem Internationalen Kongresse für
sozialen Fortschritt, Wien 1927).
Wie die Physiologen (Professor Durig, Professor Atzler u. a.)
mitteilen, sind bei der »Ermüdung« die Angriffspunkte einzelner
Arbeitsarten verschieden, ebenso die Reaktionsweisen der Angriffs-
ounkte (Körpergewebe). Die Entstehung der Muskelermüdung ist
näher bekannt, die anderen Ermüdungsvorgänge weniger. Doch
arstreckt sich die »Ermüdung«, auch wenn sie nur von einem
Teile des Körpers (Muskel) ausgeht. früher oder später auf seine
sämtlichen Teile.
Gewisse Äußerungen der menschlichen Natur zeigen den Eintritt
ider Ermüdung an; diese Symptome hat man zu Ermüdungstests
verwendet. Schon der Mitarbeiter Taylors, Gilbreth, hat das Er-
müdungsproblem studiert und mit Professor Münsterberg Methoden
zur Erfassung der physischen und psychischen Ermüdungser-
scheinungen ermittelt. Andere Fachleute haben die Abnahme der