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Auf gleicher Linie bewegen sich die Forschungen, die das
britische »Institute for Industrial Psychology« unternimmt.
Zu diesen rein physiologischen Betrachtungen kommt noch eine
solche psychologischer Art (wie überhaupt alle arbeitsphysiologischen
Thesen stets noch psychologisch zu determinieren sind!). Der
britische »Medical Research Board« verweist mit Recht darauf, daß
die Einführung von rest pauses an sich noch nicht die Leistungs-
fähigkeit des Arbeiters zu erhöhen braucht, aber günstig auf seine
Psyche und somit mittelbar auch auf die Qualität seiner Leistung
wirkt. Z. B. wurde für die Wollweberei in Yorkshire nach vielen
Versuchen als optimale Zeiteinteilung gefunden: 7 bis 81% Uhr
Arbeit — 1/, Stunde Pause — 9 bis 103/, Uhr Arbeit — 1!/, Stunde
Pause — 11 bis 12 Uhr Arbeit — 3/, Stunden Mittagspause —
(!/, bis 31/, Uhr Arbeit — 1/, Stunde Pause — 31/, bis 5 Uhr
Arbeit: 10 Stunden Bruttoarbeitszeit mit 2 Stunden Pause. Für
‚eitende Beamte wurde als optimale Zeiteinteilung erhoben: 9!/, bis
1'/, Uhr Arbeit — 1/„ Stunde Pause — 1%, bis 41/4 Uhr Arbeit
"»Durcharbeit«).
Auch über die »optimale« Verwendung der Pausen liegen nach
dieser englischen Quelle Erhebungen vor (auf Grund zahlreicher
Versuche):
Art der Verwendung
Vollständige Ruhe
Gespräch, Zeitunglesen
Musikhören
Spazieren
Steigerung
der Leistungsfähigkeit
93
8:3
3:9
1:5
Die letzte Angabe überrascht, ist aber daraus zu erklären, daß
der Arbeiter in diesem Fall offenbar länger braucht, um wieder in
die Arbeit »hineinzukommen.«.
Im Gegensatze zur rein technischen und wirtschaftlichen Seite
der Arbeit wird besonders deren menschliche (seelische) Seite be-
rücksichtigt. Ziel des Institutes ist, dazu beizutragen, daß jede
unnötige Überanstrengung und Aufregung beseitigt und das
Interesse des Arbeiters an der Arbeit erhöht werde. Das Institut
vefaßt sich auch mit rationeller Organisation der Arbeit, der Werk-
zeuge, mit Eignungsprüfung, mit Zeit- und Pausenstudien u. ä.
Wichtig ist sein Grundsatz, den wir auch für Deutschland und
Österreich empfehlen: keine Trennung von Psychologie und