Full text: Wirtschaftlichkeitslehre

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Physiologie, d.h. man muß auch jene körperlichen Zustände be- 
trachten, die durch den geistigen Zustand des Arbeiters beeinflußt 
werden. Hervorheben möchten wir die Schaffung eines besondern 
Industrial Fatigue Research Board (1918), der staatlich unterstützt 
ist und an dem alle Fachkreise mitwirken. Eine gute, echt englische 
Einrichtung des Institutes ist es, daß es seine Versuchsleiter in 
die Betriebe entsendet, um die Elemente des Arbeitsprozesses zu 
studieren und daraufhin Verbesserungen im Gang der Arbeit, zur 
Hebung der Berufstüchtigkeit und des Wohlbefindens der Arbeiter 
vorzuschlagen. Von Anbeginn seiner Tätigkeit wirken in ihm Arbeiter 
und Gewerkschaften mit. Die Konsultatoren des Institutes werden 
schon in zahlreichen Fällen zu Rate gezogen, Unternehmer und 
Arbeiter scheinen von ihm sehr befriedigt zu sein, obwohl so manche 
Firmen hinter den Psychotechnikern zuerst »Industriespione« ver- 
mutet hatten. Das Institut bildet übrigens geeignete Psychologen 
heran, die z. B. die Eignungsprüfung vorzunehmen haben (in Öster- 
reich fehlt noch eine Forschungsstätte zur Ausbildung sozialer 
Psychologen); es veranstaltet zahlreiche Vorträge, gibt Anleitungen 
für Werkmeister und Arbeiter heraus. Im März 1927 beschäftigte 
das Institut schon 30 Funktionäre (meist Versuchsleiter); Beiträge 
leisten unter anderem auch zwei große Gewerkschaften. Ein großer 
englischer Industrieller sagte, das Institut leiste nicht nur der Industrie 
große Hilfe, sondern dem ganzen Lande unschätzbare Dienste. 
Rationalisierung der Arbeitszeit und der Pausen. 
Eines der sozial- und industriepolitisch am meisten umstrittenen 
Probleme war und ist das der Dauer der (täglichen) Arbeitszeit. 
Tiefgründige volkswirtschaftliche Untersuchungen, allen voran das 
klassische Werk Lujo Brentanos, wurden diesem Thema gewidmet. 
Allmählich rangsich, durch alle politisch und vom einseitigen Interessen- 
Standpunkt aus diktierten Anschauungen hindurch, doch die geläuterte 
Anschauung zur Geltung, daß wenigstens eine schrittweise Verkürzung 
des Arbeitstages, etwa (im allgemeinen) bis auf acht Stunden, durchaus 
nicht eine Verminderung des Produktionsertrages bedeuten müsse, im 
Gegenteil: es wurden zahlreiche Fälle berichtet, in denen sogar der 
Ertrag zugenommen hatte, da »technische Verbesserungen« die kürzere 
Arbeitszeit wettgemacht hatten. Dazu kam die moderne soziale Ein- 
sicht, daß ein zu langer Arbeitstag ernste gesundheitliche und auch 
bevölkerungspolitische Nachteile bewirken muß.
	        
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