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Die leichte Beweglichkeit der Arbeiter, die ihren Posten kündi-
gungslos verlassen (oder wechseln) können, trägt dazu bei, daß
die Arbeitsstellen nach und nach so lustvoll als möglich aus-
gesucht worden sind. Dazu nehme man die hohen Löhne, die
gute Ersparnisse ermöglichen, so daß der Arbeiter nicht leicht-
fertig eine auch eintönig scheinende Beschäftigung verlassen wird.
Übrigens kann jeder Mann, dem die Arbeit zu unlustig wird, um
Versetzung ansuchen. Seinerzeit wollte Ford jedem Arbeiter, eben
wegen der vermeintlichen Gefahr der Monotonie, nach drei Monaten
eine neue Arbeit zuweisen, aber die Arbeiter waren selbst gegen
diesen Wechsel, was der Berichterstatter nach seinen eigenen Er-
fahrungen sehr gut begreifen kann.
Die rationalisierte, automatische, fließende Arbeit ist also weder
unlustvoll, noch ermüdet sie übermäßig. Dazu tragen wohl auch ihre
günstigen psychologischen Begleitumstände bei: gute Bezahlung;
das Bewußtsein, jeden Tag die Arbeit verlassen zu können, wenn
sie nicht mehr gefallen sollte (eben deshalb gefällt sie aber in der
Regel); anständige Behandlung; keine allzu strenge Disziplin; ge-
achtete gesellschaftliche Stellung und gesicherte wirtschaftliche Lage
des Arbeiters. Was will man mehr von der sozialen Rationali-
sierung, wenn sie die technische Rationalisierung erfolgreich unter-
stützen soll?
Rationalisierung und Arbeitslosigkeit.
Ein gewichtiger Einwand gegen die Rationalisierung besagt, daß
sie Arbeiter freisetze, also die so ungünstig wirkende (und kost-
spielige) Arbeitslosigkeit vermehre. In dieser Hinsicht muß man
unterscheiden zwischen vorübergehender und dauernder Wirkung,
aber auch zwischen mangelhaft, kurzsichtig und verständig und
vollständig durchgeführter Rationalisierung. Je gründlicher man
rationalisiert, je weiser man in bezug auf Verkaufspreise zu Werke
geht, desto weniger Leute brauchen arbeitslos zu werden und desto
kürzer werden sie arbeitslos bleiben. Freilich, dem einzelnen arbeits-
jos gewordenen Arbeiter ist dies ein geringer Trost, aber immerhin
ain Trost, und außerdem ein Ansporn, auch seinerseits für die best-
mögliche Durchführung der Rationalisierung tätig zu sein, statt sie
zu sabotieren oder ihr entgegenzuarbeiten.
Je vollkommener das Verfahren gestaltet wird, desto mehr sinkt
jer Anteil des Lohnes an den Herstellungskosten des Erzeugnisses