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In Amerika, wo diese gute soziale Maßregel .beheimatet und
stark eingebürgert ist, gilt zunächst ein negativ wirkendes Mittel:
Angestellte, welche nach einiger Zeit der Beschäftigung noch keine
Vorschläge gemacht haben, werden ermahnt; sie seien nicht bloß
dazu im Betriebe, um ihre Zeit abzudienen, sondern müssen auch
positiv zur Verbesserung des Betriebes beitragen. Wenn einige
solche Mementos erfolglos blieben, erfolgt die Kündigung, also
wieder: Auslese. In deutschen Werken, ebenso jetzt in der Öster-
reichischen Alpinen Montan A. G., verwendet man die Werkzeitung
zur Durchführung des Suggestions-Systems, so z. B.in den Borsig-
Werken, Berlin. Der Chef setzt sich z. B. mit einem Schlosser
zeines . Werkes über technische, aber auch über sozialpolitische
Fragen des Betriebes auseinander; es herrscht volle Offenherzigkeit
auf beiden Seiten. Vor 20 Jahren hätte man eher an den Einsturz
des Himmels gedacht als an diese so vernünftige, demokratische
Verwaltung des Betriebes. Das ist Fortschritt, das ist Aufstieg, das
läßt uns doch von der Zukunft Besseres erhoffen!
Sehr häufig; auch in Amerika, ist die Bestellung eines besonderen
Ausschusses zur Prüfung der Vorschläge; im Ausschusse: sitzen
Vertreter der-- Leitung und der Arbeitnehmer (Angestellten). In
Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei gibt es Betriebs-
‚äte, denen schon kraft Gesetzes das Recht zu Verbesserungs-
vorschlägen gegeben ist, von dem sie aber leider nur in wenigen
Fällen Gebrauch machen. . Wenn es sich darum handelt, ein
5bjektives Forum für die Vorschlagsprüfung zu schaffen, so muß
wohl der Leitung, neben der Vertretung der Arbeiterschaft, ein
oaritätischer Einfluß gewahrt bleiben. Anderseits wird man der
Arbeitervertretung, etwa dem Betriebsrate, auch nicht zu viel
Entscheidungsrecht gewähren dürfen, sondern jedem einzelnen
Betriebsangehörigen das Recht sichern, seine Vorschläge der Leitung
zur Kenntnis zu bringen. Ein Hindernis, das dem Suggestions-
System in Europa, namentlich in Mitteleuropa, noch entgegenwirkt,
muß vor allem beseitigt werden: es ist der weitverbreitete Wider-
wille der — namentlich älteren — Vorgesetzten gegen Vorschläge
jüngerer Untergebener, die als unbequeme Neuerer oder Besser-
wisser gebrandmarkt werden —: man soll umlernen und will es
doch so ungern! Ähnlich verhalten sich die Kollegen, welche in
sinem Vorschlagenden mißgünstig einen Streber erblicken, mit dem
sie oft gar nicht mehr verkehren. Diese‘ gänzlich veralteten,