im privaten und erwerbswirtschaftlichen Bereiche). Dies ist nicht
»Individualismus«, individualistischer Liberalismus, sozialer Atomismus
der wie man sonst diese Auffassung stigmatisieren will; es ist
vielmehr der getreue Ausdruck der tatsächlichen Zustände und es
entspricht auch der national oder religiös indizierten Volkswirtschafts-
lehre, indem man den einzelnen im Volke an seiney nationale Pflicht
gemahnt, sein Bestes an die Entwicklung seine Fähigkeiten zu
setzen oder, anders ausgedrückt, die ihm von Gott verliehenen Gaben
werktätig zu gebrauchen; der Einzelne soll sich nicht zu viel auf
die anderen, auf anderes, auf Hilfe von außen oder von oben ver-
lassen, sondern zunächst selbst Hand anlegen, denn: fortuna fortes
adjuvat, jeder ist seines Glückes Schmied, nicht, wie oft von
schwachen Geistern behauptet wird, der Zufall, das Geschick, die
Umstände, die Verhältnisse, diese oder jene Einrichtungen —
lauter außermenschliche Instanzen, an die der schwache Mensch
nur allzu gerne rekurriert. Er übersieht zu oft, daß Mißgeschick
in der Regel eine Funktion des — Ungeschickes und nicht des
Schicksals ist — »wie sich Verdienst und Glück verketten, das
fällt den Toren niemals ein!« (Goethe). »Ich bin immer vom Miß-
geschick verfolgt« — wer so spricht, bekennt, daß er sich selbst
verfolgt, sein eigener Feind ist... So mancher modern Denkende
hat nicht bloß das ora!, sondern auch das labora! vergessen —
ar arbeitet zu wenig, zu wenig tüchtig.
Die Qualität der Einzelwirtschaft ist wieder bedingt durch die
eigenen physisch-psychischen und _charakterologischen Voraus-
setzungen, unter denen der Einzelne zu wirtschaften imstande ist.
Ein tüchtiger Mensch meistert auch schwierige »Verhältnisse« und
wird sich auch wirtschaftlich behaupten, es vorwärtsbringen und
die Gebote rationellen Wirtschaftens immer besser befolgen. Von
diesen Betrachtungen ist auszugehen, wenn man die Aussichten der
Rationalisierung im Erwerbsleben richtig beurteilen und die Schwierig-
keiten begreifen will, die einer wirtschaftlichen Höherentwicklung
einer Volkswirtschaft entgegenstehen. Denn wie einer bei sich
zu Hause wirtschaftlich denkt und handelt, so wird er wahr-
scheinlich auch in seinem Berufe denken und handeln, seine
individuellen Mängel und Fehler wird er nicht leicht abstreifen
können, wenn er draußen, in der scharfen Luft oft rücksichtslosen
amtlichen oder geschäftlichen Wettbewerbes, tätig ist und sich be-
haupten soll — ebenso wie individuelle Vorzüge sich auch in der