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die Dividende erhält er erst nach einem halben oder einem Jahre,
den höheren Lohn sofort. Aber es gibt jetzt fast überall kollektivvertraglich
festgesetzte Durchschnitts- oder Mindestlöhne, außerdem
äinen gewerkschaftlich kontrollierten Arbeitsnachweis, So daß Arbeitswechsel
nicht so leicht ist.
Der Aktienbesitz müßte so hoch sein, daß er ein Gegengewicht gegen
Veränderungen in der technischen Arbeitoder im Einkommen bildet. Das
ist allerdings finanziell nicht möglich, aber auch gar nicht notwendig.
Die Dividende solldurchaus kein »Lohnzuschuß«, keine neue Art von
»Prämie« sein. Aktienerwerb und Höhe der Dividende sind eine Funktion
der Güte der Arbeitsleistung und — der Leitung, also des Ertrages.
Die durch die Aktien angestrebte höhere Leistung läßt sich auch
durch Prämien, gleitende Löhne u. ä. erreichen. Das ist aber sozialpsychologisch
doch nicht dasselbe. Die Prämie wird als zu starke
Anspannung der Arbeitskraft kritisiert; Arbeitsfreude, Interesse am Beıriebe
werden durch Aktienbesitz weit mehr und unmittelbarer erweckt.
Wie verhält es sich mit der Arbeiteraktie in Zeiten der Depression
oder wenn Verluste eintreten? Erhält der Arbeiter auch
dann eine (Mindest-) Dividende, so kann das zur Aufzehrung des
Kapitals führen. Diese Frage wird in den verschiedenen Fällen
auch verschieden zu beantworten sein. Ist der Minderertrag nur
eine vorübergehende Erscheinung, ist reichliches Kapital vorhanden,
30 ist es wohl möglich, dem Arbeiter eine Mindestdividende, ohne
jeden Schaden für den Betrieb, auszuschütten. Ist die Depression
von längerer Dauer, ist wenig Kapital bereit, so wird auch der
Arbeiter keine oder bestenfalls eine verkürzte Dividende erhalten.
Sein Verlust ist übrigens nicht allzu groß. Aber es liegt im Wesen
der Kapitalsbeteiligung, daß auch der Arbeiter voll und ganz als
Teilunternehmer behandelt werde und sich fühle, also wie am
Gewinne so auch am Verluste teilnehme.
Die Arbeiteraktionäre werden, namentlich in ihrer großen Masse,
wenig Einfluß auf die Geschäftsführung, in der Generalversammlung
usw. ausüben können. Dieses Los teilen sie nur mit allen Kleinaktionären.
Immerhin haben sie eine Vertretung in der Verwaltung
und können auch sonst in Fragen der Betriebsführung mitreden — das
ist ja der rationalisierungspolitische Zweck der Einrichtung. Die Kleinaktionäre
werden sich eben zu organisieren haben, um ihre (finanziellen)
Interessen besser zur Vertretung zu bringen; gegebenenfalls sind die
Schutzbestimmungen des Aktienrechtes zu verschärfen.