Full text: Wirtschaftlichkeitslehre

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oder Bewahrung vor Schaden; sagt doch Goethe: »Viel Rettungs- 
mittel bietest du, was heißt’s? Die beste Rettung: Gegenwart des 
Geist’s!« 
Jede Arbeit gedeiht, bringt Erfolg, wenn der Mensch dabei nur 
an sie und an sonst nichts denkt, insbesondere nicht schon an eine 
künftige Arbeit oder an ein späteres Vergnügen. Auch hier haben wir 
aine Keimzelle der Rationalisierung im Betriebe, der mechanischen 
oder der Bureauarbeit, vor uns. 
Nun zum Ordnungssinn, wohl dem Königsmerkmale rationellen 
Wirtschaftens. Alle Behelfe der Arbeit sind stets auf dem gleichen 
Platz aufzubewahren; alle seine »sieben Sachen« soll der Mensch 
»in Ordnung halten«; vor Beginn einer Arbeit oder Verrichtung soll 
er alle notwendigen Behelfe in bequemster Anordnung, leicht » greifbar « 
zurechtlegen. Handelt er anders — wieviel überflüssige Zeit ver- 
trödelt er mit dem lästigen Suchen! Wieviel kleine Dinge werden 
dann verlegt, gehen verloren! Wieviel Gänge müssen wiederholt 
werden! Darüber versäumt man sogar die Zeit zum Beginn der 
beruflichen Arbeit, zu der man überdies verärgert, nicht gesammelt, 
also weniger gut disponiert, antritt. Verlegte oder verlorene Gebrauchs- 
gegenstände sind neu anzuschaffen — ein weiterer wirtschaftlicher 
Schaden! Es widerstreitet auch dem Ordnungsgebote, zwei oder gar 
mehrere Arbeiten gleichzeitig zu verrichten: es ist dies eine durch- 
aus falsche Zeitersparnis, weil man doch längere Zeit benötigt, um 
fertig zu werden, überdies werden beide Arbeiten schlechter aus- 
Fallen, als wenn sie jede für sich, aber mit voller Aufmerksamkeit, 
yetan würden. 
Sehr geringen Ordnungssinn zeigt es, wenn jemand immer 
wieder klagend ausruft: »Ich hab’ keine Zeit dazu!« Oder: »Die 
Zeit verrinnt unglaublich schnell!« »Man sollte vier Hände haben!« 
Diese und ähnliche Ausrufe sind unbewußte testimonia paupertatis, 
sind Einbekenntnisse, daß der Bedauernswerte es nicht gelernt hat, 
seine Zeit rationell einzuteilen und ordnungsgemäß zu gebrauchen. 
Ordnungsliebe darf allerdings nicht übertrieben werden. Sonst 
wird man leicht Pedant, schwerfällig und gereicht seinen Neben- 
menschen zum Mißvergnügen. Vor allem soll die Frau als »Haus- 
frau« mit Ordnungs- und Reinigungssinn nicht zu weit gehen. 
Erzeugt ein Ordnungs- oder Reinlichkeitsfanatiker bei den anderen 
Unmut und Unbehagen, so wird er deren Widerstand entfesseln 
oder sie aus dem Hause treiben — also vielleicht größere wirt-
	        
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