183
Kritik ist auch an der Subventionspolitik der öffentlichen
Körperschaften zu üben. Man sollte nicht aufrechten, steuerzahlenden
Unternehmungen Abgaben entnehmen, um damit schlecht arbeitende
oder faule Konkurrenten zu unterstützen (Dr. Reinhold, a. a. O.).
Dies ist deshalb irrationell, weil schlecht geleitete Betriebe wahr-
scheinlich auch mit Hilfe der künstlichen Stütze nicht empor-
kommen werden, denn wirkliche, dauerhafte Besserung ist immer
nur von innen heraus, aus eigener Kraft, eben durch energische
Rationalisierung, zu erzielen. Gutgeführte Betriebe werden durch
zu hohe Abgaben geschädigt und in ihrer Rationalisierung gehemmt;
die volkswirtschaftlich so wichtige Preissenkung bleibt aus.
Ein Mangel an rationeller Finanzpolitik ist es ferner, wenn der
Staat Monat für Monat seine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung
in Österreich sind es für 1928 22 Millionen Schilling) zahlt, statt
diese Mittel der produktiven Arbeitslosenfürsorge zuzuwenden;
selbst wenn er diesen Zwecken (Straßenreform, Zuschuß zur
Elektrifizierung der Bahnen [siehe oben] u. a.) doppelt so viel zu-
führt, wird er doch keinen Abgang zu befürchten haben, weil
destehende Unternehmungen steuerkräftiger werden, neue Betriebe
entstehen und weil mehr Leute beschäftigt sind und daher Abgaben
verschiedener Art in höheren Beträgen eingehen.
So wichtig die in erster Linie zu nennende unmittelbare
Rationalisierung der öffentlichen Verwaltung und der Finanzwirt-
schaft des Staates ist, so hat er in seiner Ausgabenpolitik doch
auch Pflichten zu beachten, die das sozialhygienische und
kulturelle Gebiet betreffen, um die wertvollsten Güter eines
Volkes — Gesundheit, Wohlfahrt, Bildung — nicht verkümmern zu
lassen. Sonst wird auch die Grundlage einer gedeihenden Volks-
und Staatswirtschaft gefährdet, also irrationell vorgegangen. Ein
Staat kann nie genug Mittel für vorbeugende und heilende soziale
Hygiene (Kinder- und Jugendfürsorge, Krankenpflege Bekämpfung der
Volkskrankheiten und Seuchen, Wohnungspflege u. a. m.) bereitstellen.
In Zusammenarbeit mit den Instituten der sozialen Versicherung ist
hier vom Staate noch vieles nachzuholen. Der Erfolg ist ein großer:
es werden mehr gesunde Menschen geboren, sie bleiben länger am
Leben und erwerbsfähig, also auch Steuerträger, ersetzen also dem
Staate wahrscheinlich mehr, als sie ihm gekostet haben.
Ähnlich verhält es sich mit den Ausgaben für Unterricht
Bildung und Forschung. Der österreichische Finanzgesetzentwurf