Full text: Wirtschaftlichkeitslehre

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Thersites-Naturen, von denen Goethe sagt: »Doch wo was Rühm- 
liches gelingt, es mich sogleich in Harnisch bringt.« Denn diese 
Leute können es nicht ertragen, wenn man vor ihnen über einen 
anderen Günstiges mitteilt — dieser andere muß irgendwie geschmäht, 
sein Verdienst kleiner gemacht werden. Aus den Schmähungen ent- 
stehen zahllose wirtschaftliche Nachteile, oft auch für den Schmäher 
z. B. das Nichtzustandekommen einer günstigen geschäftlichen Ver- 
bindung oder Zeit, Geld und Ärger kostende Prozesse — durchaus 
Zeichen ausgesprochener Irrationalität. Man sollte glauben, daß dem 
Menschen nichts leichter fallen müßte, als Güte zu zeigen, ge- 
fällig zu sein. Es ist leicht und erleichtert das menschliche Zusammen- 
leben, ist daher ein wichtiges Expediens der Rationalisierung. »Wer 
Gutes will, der sei erst gut!« Schon beim Kinde ist mit der Er- 
ziehung zum Wohlwollen, zur Güte, zur Gerechtigkeit zu be- 
ginnen; das sind die unsterblichen Grundideen aller Moralsysteme, 
aus welchem Ursprunge man auch die Moral sonst ableiten mag. 
Und hier berührt sich Moral mit Wirtschaftlichkeit, hier zeigt sich 
klar, daß die Wirtschaftlichkeitsidee auch ethischen Inhalt in sich 
birgt — tüchtigere und bessere Menschen züchten, ist die Losung... 
Zur hier verlangten Stärkung des Willens und Charakters ist noch- 
mals zu sagen: Gerade wie einer den Widerwärtigkeiten des Lebens 
zu begegnen weiß, ist zum guten Teil seine eigene Sache. Es ist 
gefährlich für den wirtschaftlichen Erfolg, wenn man sich allzu- 
sehr auf andere verläßt oder auf. ein mystisches Eingreifen von 
außen wartet, irgend welcher höherer Instanzen, nach Art des orientali- 
schen Fatalismus. »Hilf dir selbst, dann wird dir Gott helfen«, sagt 
sogar das religiöse Wort. Wir wiederholen es: Es ist sittlich-reli- 
ziöses Gebot, seine Fähigkeiten bestmöglich zu entfalten, Kenntnisse 
zu erwerben, Fleiß autzuwenden. Wir wiederholen ferner: Mit dieser 
Denk- und Handlungsart nützt man auch am meisten seinem Volke 
oder seiner sozialen Gruppe. 
Nun hört man oft die Äußerung: Im Wirtschaften wird jeder 
Mensch vom Eigennutz beherrscht, vom self-interest, daher die 
Rücksichtslosigkeit gegen Kollegen oder Konkurrenten. Und doch: 
bei näherem Zusehen ergibt sich, daß die Menschen eigentlich nur 
so tun, als ob sie im eigenen Interesse handelten. Allerdings ist 
richtig, daß positive Opfer für andere oder auch nur die volle 
Erfüllung der Pflichten gegen andere selten anzutreffen sind, der 
rein negative Egoismus ist stark verbreitet, was sehr oft zu nam-
	        
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