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nicht mit allen rechtlichen und anständigen Mitteln, vor allem mit
seiner Tüchtigkeit, dahin streben soll, sein Einkommen ständig zu
vergrößern.
Es war von Verschwendung und Geiz, als den zwei Extremen
irrationeller Verwendung des Einkommens, die Rede; mit diesem
Begriffspaar darf man nicht ein anderes, Komfort und Sparsam-
keit, verwechseln; diese beiden Arten der Einkommensverwendung
sind durchaus rationell.
Die rationelle Verwendung des Einkommens erfordert jedenfalls,
daß die Ausgaben sich jeweils nach der Höhe der Einnahmen zu
richten haben (ein Grundsatz, der auch — im Gegensatze zu den
gebräuchlichen Lehren der Finanzwissenschaft — vom Staate gilt;
s. später » öffentliche Rationalisierung«). Aus diesem Grundsatze folgt
das Gebot, solange und soweit als nur möglich Personalschulden
zu vermeiden (die nicht mit gerechtfertigten Krediten im Erwerbs-
leben zu verwechseln sind), denn der Einzelwirtschafter gerät dann
leicht auf eine schiefe Bahn und in.die Hände offener oder ver-
steckter Wucherer, das Irrationellste auf dem Gebiete der privaten
Wirtschaftsführung, das man sich vorstellen kann. Wohl aber ist die
Anschaffung eines Gutes gegen Ratenzahlung nicht unbedingt ab-
zulehnen (neuartige Konsumfinanzierung), vorausgesetzt, daß es ein
wirklich benötigter Gegenstand ist, dessen Gebrauchsdauer mindestens
so lange ist als der Zeitraum der Zahlungen, und daß die einzelnen
Raten mit den innerhalb des gleichen Zahlungstermines anfallenden
Einkommen in gesundem Verhältnisse stehen.
Ein Wort ist noch zu sagen über die Notwendigkeit, ein Mindest-
maß von rechtlichen und technologischen (Waren-)Kennt-
nissen zu besitzen, wenn man als Einzelwirtschafter rationell in
der Verwendung des Einkommens vorgehen soll. Rechtliche Kennt-
nisse benötigt man z. B., wenn man Zahlungen leistet und darüber
eine Urkunde ausgestellt wird; technologische Kenntnisse benötigt
man heutzutage deshalb, weil so vielerlei und so rasch wechselnde
Waren, und dazu oft in sehr aufdringlich-geschickter Art, angeboten
werden; ferner zur Entscheidung der Frage, ob man z. B. gute, aber
teure oder billigere, aber minderwertige Stoffe kaufen soll, ob eine
Reparatur noch lohnend ist und vieles andere mehr. Jedenfalls ist es,
wie es jetzt eine eigene Verkäuferschulung (s. später) gibt, auch an
der Zeit, die Käufer zu schulen: wieder ein Thema für den Unter-
richt in Wirtschaftlichkeit.