25
der Bau, allein es wankt der Grund, auf dem wir bauten?« Das
heißt: Wozu die vielfachen Bemühungen um Besserung oder
Rationalisierung der Hauswirtschaft, wenn deren ethisch-soziales
Fundament, das Familienleben, die Ehe, die Geburten, scheinbar
immer mehr in Frage gestellt sind? Scheinbar gehört dieses ernste
kultur- und bevölkerungspolitische Problem nicht in den Rahmen
der Wirtschaftlichkeitslehre, ja manche Kritiker können mit Ironie
daran erinnern, daß die »Rationalisierung des Geschlechts-
verkehres«, wie man die Beschränkung der Geburten nannte,
durchaus im Sinne der neuzeitlichen Rationalisierungspolitik gelegen
sei und daß, wenn schon alles auf der Welt »rationell« gestaltet
werden soll, auch das oft sehr kostspielige und riskante Heiraten
sowie die beständige Division des Einkommens durch neue Kinder als
irrationelles Gebaren zu verurteilen sei. Hier wird aber Falsches mit
Richtigem vermengt. Eine geläuterte, wahrhaft soziale Bevölkerungs-
politik hat gewiß nicht mehr als Maxime: möglichst viele Menschen
im Staate, sondern: möglichst viel gesund (leiblich und seelisch)
zeborene und möglichst lange gesund bleibende Menschen, d. h.
nicht mehr nackte quantitative Bevölkerungspolitik, sondern sozial
und hygienisch (eugenetisch) indizierte qualitative Bevölkerungs-
politik ist allein am Platze. Das verstößt durchaus nicht gegen
Familien- und Ehepolitik, sondern soll nur einzel- und volkswirt-
schaftlich schädigende Ereignisse möglichst vermeiden. Das Familien-
hafte soll mitnichten geschmälert, der Familiensinn nicht noch
weiter demoliert werden. Wohl tritt der Eugenetiker für sorgsame
Kinderpflege, für Jugendpflege und Jugendfürsorge (für gefährdete
Jugendliche) ein, er weiß aber, daß nichts dem Kinde das Familien-
heim, die sorgende Mutter ersetzen kann, die allerdings zur Er-
ziehung der Kinder geeignet sein und, wenn nötig, dazu selbst
erzogen werden soll. Der Eugenetiker will auch in der reiferen
Jugend den Familiensinn erhalten und gepflegt sehen und kümmert
sich besonders um die Ferien- und Mußezeit der Jugend, denn
das Schicksal des Menschen entscheidet sich in den Mußestunden.
Der Eugenetiker begrüßt aber auch alle — früher erwähnten —
Rationalisierungsmittel der Hauswirtschaft, weil sie dazu beitragen,
das Leben der Hausfrau und in der Familie zu erleichtern, an-
genehmer und daher wünschenswerter zu machen.
Nun aber die Kernfrage: Wie verhält man sich vom Rationali-
sierungsstandpunkte zur Geburtenbeschränkung? Ist sie als