Full text: Wirtschaftlichkeitslehre

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unbedingt »rationell« anzusprechen oder nicht? Aus der oben 
formulierten bevölkerungspolitischen Maxime ergibt sich leicht die 
Antwort: Nicht unbeschränkte Vermehrung des Volkes, sondern 
dessen Zunahme und stete qualitative Verbesserung ist das Ziel. 
Daher wird der Rationalisierungspolitiker für alle Maßregeln ein- 
treten, die dazu dienen, Leben und Gesundheit der Menschen, der 
jungen und der erwachsenen, zu schützen und zu fördern; er wird 
alle Maßregeln gutheißen, die geeignet sind, Körper und Seele der 
Menschen gesund zu erhalten und ihn zu besseren Leistungen zu 
entwickeln; er geht also einen Weg mit dem Rassen- und Sozial- 
hygieniker, mit dem Gesundheitspolitiker, und ist nicht so kurz- 
sichtig, Aufwendungen auf diesen Gebieten, weil sie etwa »kontra- 
selektorisch« wirken könnten, als irrationell' abzulehnen. 
Er wird aber auch jene Maßregeln unterstützen, die eine 
materielle Begünstigung Verheirateter und kinderreicher 
Familien bezwecken. Hieher gehört auch eine energische Wohnungs- 
politik, denn die Wohnungsnot verdirbt Leib, Seele und Geist; 
wer kein Heim hat, kein Familienleben, dem fehlt leicht auch der 
Begriff von Ordnung in der Wirtschaftsführung und — im Staate: 
man erinnere sich nur an die tieftraurigen Erscheinungen des Bett- 
geher- und Untermieterunwesens, der überbelegten Schlafräume. 
Die jetzige geringere Wohndichte in Wien ist daher an und für sich 
ein Fortschritt. 
Der Rationalisierungspolitiker befürwortet ferner auch die Steuer- 
begünstigungen und Prämien für kinderreiche Familien, wie sie 
jetzt z. B. in Frankreich gewährt werden; in Italien wird ihnen 
darüber hinaus gewährt: billigere Reisekosten, auch auf den Straßen- 
bahnen, mäßigere Kosten in Kurorten und Bädern, Rückersatz der 
städtischen Verbrauchssteuern, Befreiung vom Schulgeld, freie Lehr- 
mittel, Stipendien. Strittig ist das Problem des (höheren) Familien- 
‚Ohnes; gegen ihn wird eingewendet, daß dann die ledigen und 
kinderlosen Arbeit- und Dienstnehmer bevorzugt würden. Besser 
ist.daher wohl eine Ausgleichskasse, in die Ledige und Kinder- 
lose höhere Beiträge als die Kinderreichen zu zahlen hätten. Vom 
Rationalisierungsstandpunkte aus darf man deshalb für derartige 
Maßregeln eintreten, weil die Güte der Berufsarbeit stark von 
den häuslichen und Familienverhältnissen beeinflußt wird und die 
Familienvorstände leistungsfähig erhalten werden sollen. Am geeig- 
netsten ist vielleicht eine Elternschafts- und Kinderrenten-
	        
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