Full text: Wirtschaftlichkeitslehre

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gerecht wird oder doch übers Ziel schießt. Man muß daher prüfen, 
was von den Neuerungen in Wirklichkeit das Wohnen der Menschen 
rationeller macht und nicht bloß dem Neuheitsdrange irgend welcher 
‚Baukünstler« dienen soll. 
Die Voraussetzung rationell gestalteter Wohnungen ist eine 
rationelle Bauweise. Wie in einem Berichte des »Reichskuratoriums 
für Wirtschaftlichkeit« (Berlin 1927) dargelegt wird, sind, während 
so viele technische Neuerungen auf zahlreichen Gebieten geschaffen 
wurden, die meisten Zweige des Bauwesens noch so altertümlich 
geblieben wie zur Zeit der Ägypter; man verwendet kleinformatige 
Bauteile (Ziegel) und legt vielfach noch mit Hand einen Teil auf 
lien anderen, sofern noch nicht die Ziegelsetzmaschine Eingang 
gefunden hat. In den letzten Jahren sind allerdings Fortschritte bei 
den Zweckbauten, in Zusammenarbeit der Interessenten und der 
Bauführer, geschehen, so für Industrien, Warenhäuser, Silos u. a. 
wobei auch neuartige Baustoffe (Beton, Betoneisen) und neue Ver- 
:ahren (z. B. das Spritzverfahren) angewendet werden. Nur beim 
Wohnbau sind noch keine solchen Fortschritte erzielt worden, die 
Bauteile sind erst selten genormt oder standardisiert und doch 
haben 90. Prozent der Bevölkerung so ziemlich das gleiche Wohn- 
bedürfnis, wenngleich man hier doch auch Unterschiede der Bildung 
und der Familie berücksichtigen muß. Als Voraussetzungen rationellen 
Wohnbaues werden am angeführten Orte genannt: klare Finan- 
zierung auf lange Sicht; Serienbau von Zwei- bis Vier-Familienhäusern; 
Normung der Bauteile und baugewerblichen Hausbestandteile (Türen, 
Fenster usw.). 
Umstritten ist die Rationalität der von vielen Kommunen in den 
letzten Jahrzehnten betriebenen Bodenvorratspolitik. Gegen sie 
Spricht daß oft zu viel Interkalarzinsen auflaufen, das Bauen also 
verteuert wird; für sie läßt sich geltend machen, daß sie der Terrain- 
spekulation einen Riegel vorschiebt. Richtig ist wohl, daß am billigsten 
gebaut wird, wenn man den Boden unmittelbar sofort aus der land- 
wirtschaftlichen Nutzung dem Baumarkte zuführt. Rationell muß das 
Baugelände auch erschlossen werden; es soll günstig liegen, 
günstige Niveauverhältnisse haben; die bloßen Wohnstraßen können 
schmäler sein und brauchen nicht wie früher 10, ja 20 Meter breit 
angelegt und asphaltiert zu werden, um billiger zu bauen; dafür 
nüssen die Verkehrsstraßen so breit sein, daß alle Wohnräume 
zenügend besonnt werden, und dauerhaft gebaut sein.
	        
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