Full text: Wirtschaftlichkeitslehre

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Was die »Architektur« der Häuser betrifft, so berufen sich 
die einen zur Verteidigung einer einfachen, zweckdienlichen Bau- 
weise auf die Vorbilder der Natur- und Bergvölker, die so bauen, 
wie es den örtlichen Verhältnissen und den Lebens- und Arbeits- 
gewohnheiten des Volkes angepaßt ist. In der neueren Zeit wurden 
viele »neue« Stile angepriesen, einer jagte den anderen, zum Teil 
sind es uralte Stilmotive, die man ausgrub. Nach dem Kriege 
zwang die große Geld- und Wohnungsnot zu billigen und einfachen 
Notstandsbauten, die leider nicht immer rationell ausgeführt 
wurden, indem man minderwertiges Material und nicht genügend 
solide Verfahren wählte, so daß baldige Reparaturen notwendig 
wurden und das Wohnen in solchen Bauten — man denke z. B. 
an zu niedrige Zimmer und zu dünne, schalldurchlässige Zwischen- 
wände — nicht günstig beeinflußt wurde. Und jeder Bau, der 
dessen obersten Zweck: die Wohnlichkeit, nicht erfüllt, muß 
irrationel!l genannt werden, genau so wie die schrecklichen »Zins- 
kasernen« aus den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. 
Dabei bleibt aber noch genug Spielraum für Rationalisierung 
dort, wo sie durchaus gerechtfertigt ist, wie z. B. für die Normung 
der Bauteile und für ihre zweckdienlichere Herstellung und Ge- 
staltung. Man empfiehlt z. B. statt der alten kleinen Ziegel, die 
viel Wasser enthalten, den Eisen- oder Holzfachbau, Betonplatten, 
die Einschaltung von Hohlräumen in das Mauerwerk u. a. m. 
Nach dem Frankfurter »Montageverfahren« werden, ähnlich wie in 
Amerika, die Hausbestandteile serienweise, im großen, erzeugt und 
auf der Baustelle maschinell aufgestellt und zusammengesetzt; dabei 
ist die Wandhöhe jedes Geschosses in drei Platten zerlegt. Das 
Haus ist in wenigen Wochen fertig; die kurze Bauzeit erspart 
beträchtliche Zinsen, beim Montagebau ist jeder »Leerlauf« ver- 
mieden, der schädliche Saisoncharakter des Bauens ausgeschaltet. 
Wenn man gegen diese großzügige Rationalisierung soziale Bedenken 
vorbrachte, indem man nicht jetzt, da es so viele Arbeitslose gibt 
rationalisieren soll, so ist (vom Standpunkte Deutschlands) zu be- 
merken, daß infolge der wesentlichen Verbilligung des Bauens (und 
des Wohnens) mehr gebaut werden kann und daß in Nachbar- 
ländern doch rationell, d. h. billig gebaut wird, daß die industriellen 
Arbeiter dort billiger wohnen, also eine geringere Quote ihres 
Lohnes auf die Wohnung verwenden, daß also die dortige Industrie 
konkurrenzfähiger wird.
	        
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