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punkte könnte man damit zufrieden sein. Und doch scheinen die
Wohnreformatoren in ihrer bilderstürmenden Neuerungsgier zu weit
zu gehen. Zugegeben sei, daß die Wohnung einfache Gestaltung,
>»phrasenlose Sachlichkeit« (Zweckmäßigkeit) zeigen soll. Wenn
Architekt Gropius aber so weit geht, zu sagen, daß wir »Heimstätten für
ein neues Geschlecht brauchen, das sich mit dem Leben unsentimental,
geschäftsmäßig auseinandersetzt«, keine »allzusehr betonte Gemüt-
lichkeit« im Hause wünscht, sondern »automatisch-präzises In-
einandergreifen der einzelnen Teile der Einrichtung«, um Zeit zu
sparen, So ist hier das Kind mit dem Bade verschüttet. Aus dem
Architekten darf kein Ingenieur, aus meinem Heim keine Wohn-
maschine werden. Ich will in der Wohnung noch etwas anderes
inden, als 100prozentige Nützlichkeit, ich will dort ein wenig Muße
ınd Müßiggang erleben und durchleben, ich will an passender Stelle
das Bild lieber Verstorbener oder gerne besuchter Alpengebiete vor
mir sehen, der oder das Abgebildete soll gleichsam mit mir das
Heim bewohnen, es wohnlicher machen. Ich fühle Mißbehagen,
wenn die »Räume«, die man mir als durchrationalisierte »Wohnung «
darbietet, mich nicht ansprechen, mich kalt lassen wie eine
schrecklich nüchterne Außenfassade, wenn sie mich auch zu Hause,
in meinem Heime, an Werkstatt, Büro oder Amtsstube gemahnen.
Die Wohnung soll zwar zweckmäßig gestaltet und eingerichtet sein,
sie soll der Frau alle überflüssige Arbeit auf billigstem Wege
ersparen, aber sie muß vor allem wohnliche und bewohnbare
Wohnung bleiben. Nur dann ist ihre Neugestaltung echte Rationali-
sierung.
4. Rationelle Naturbeherrschung.
Wie schon ausgeführt wurde, unterliegt der wirtschaftende Mensch
ınentrinnbar einer dreifachen Abhängigkeit: von seiner eigenen
Arbeit und Tüchtigkeit, von der äußeren Natur und von der Tätig-
keit anderer Menschen. Wie die persönliche, individuelle Ratio-
nalisierung ist auch die rationelle Beherrschung (und Nutzung) der
äußeren Natur ein Gebot höchster Wirtschaftlichkeit. Dies umfaßt _
nicht bloß — woran aber fast ausschließlich gedacht wird — die
Verwendung der Naturkräfte (Energie-, Wärmewirtschaft u. a.) und
die Nutzung der Naturschätze und des Bodens (Urproduktion, Berg-
bau, Landwirtschaft), sondern auch eine negative Wirkung der
Natur auf unsere Wirtschaft: die Elementarschäden, u. zw.