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Mittel der Förderung gab es schon vor der jetzt auch in die Land-
wirtschaft eindringenden Rationalisierung, wie unter anderem gute
Fachschulen mittleren und höheren Grades sowie Fachkurse und
Wanderlehrer; das weite Gebiet-der »Landeskultur« (Urbarmachung
von Öd- und Moorland, Entwässerung von Wiesen und Ackergründen
sowie Bewässerung zu trockener Böden; im Gebirge Wildbachver-
bauung und Bannwälder); Anlage von Verkehrswegen; Ausstellungen
und Prämien bester Erzeugnisse; Förderung der landwirtschaftlichen
Genossenschaften, Buchstellen u. a. m. Die Erfolge waren im all-
gemeinen gute, wenngleich der Fortschritt sich nur langsam, oft zu
langsam vollzog; es fehlte noch der systematische, alle Fragen
des Betriebes erfassende Charakter der Förderungspolitik, wie er sich
nunmehr in der »agrarischen Rationalisierung« kundtut. Jetzt handelt
2s sich darum, auch in den europäischen Ländern die Landwirtschaft
merkbar emporzubringen, ihr den Rationalisierungsgeist einzuimpfen,
nd wissenschaftlich erprobte und. organisatorische Mittel der höchst-
möglichen Steigerung des Ertrages, bei möglichst weitgehender Ver-
ingerung der Kosten an Zeit und Arbeit, zuzuführen. ;
Daß die Landwirtschaft in Europa, besonders‘ in Mitteleuropa
noch weitgehender Rationalisierung bedarf, möge an einigen mar-
kanten Beispielen dargetan werden. In Österreich liefert z. B. ein
Huhn durchschnittlich im Jahre 50 bis 60, nach Angabe anderer
Fachleute 70 »greifbare« Eier, man könnte mindestens den doppelten
Ertrag erzielen, wenn die Tiere rationeller gefüttert und behauset
würden; die Einfuhr: würde vermindert werden. Für Deutschland
wurde der Durchschnittsertrag der Milchkühe jährlich mit 1800 bis
2000 Kilogramm Milch errechnet, während er in Dänemark — bei
ungefähr gleichen Böden, gleichen klimatischen und Betriebsverhält-
nissen — 3000 Kilogramm (Liter) ausmacht. Dieser Unterschied be-
deutet, bei einem Milchpreis von 19 Pfennig einen Verlust der deutschen
Volkswirtschaft von 1 Milliarde Mark (9 Millionen Kühe angenommen),
der durch Rationalisierung des Stallbetriebes, der Haltung, Fütterung
und Milchgewinnung in kurzer Zeit auszumerzen wäre; zu diesem
Erfolge wäre auch bessere Aufzucht (Verwendung von Zuchttieren)
notwendig. Der Ertrag des Weinbaues in Österreich und anderen
Ländern ist unter anderem auch deshalb quantitativ und qualitativ
zurückgeblieben, weil man jene Reben nicht rechtzeitig ausgemerzt hat,
die gegen Frost und Erkrankung nicht widerstandsfähig sind. In
Deutschland und Österreich wird ein erheblicher Teil der Grünfutter-