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ernte verregnet, geht also verloren oder hat viel geringere Nährkraft; in
Amerika, Dänemark und anderen Ländern wird diese Pflanze nicht
bloß getrocknet, etwa wie Dörrgemüse, sondern auch wie Sauerkraut
singesäuert, in große Silos — die in Amerika, aber selbst in dem
etwas rückständigen Frankreich fast jede Farm besitzt — einge-
bracht, wo das Futter Schutz gegen unwirtschaftliche, aber vermeid-
bare Witterungsverluste findet. In Deutschland und Österreich wird,
im Gegensatz zur Schweiz, erst in wenigen Fällen Jauche und
Dünger ständig aufgesammelt (»Gold des Landwirtes«!) und für
die weitere Verwendung im Kreislaufe des Stoffwechsels entsprechend
vorbereitet; der irrationelle Verlust besteht darin, daß ein großer Teil
der Nährstoffe, die durch den ziemlich unwirtschaftlich arbeitenden
Tiermagen hindurchgeleitet wurden, der Landwirtschaft verloren
geht. Noch selten wird in Österreich die Wiese (Gras- und Klee-
boden) regelmäßig gedüngt, was durch praktische Jauchepumpen,
die in der Schweiz angewendet werden, geschehen kann; der Erfolg
ist mehr und gehaltvolleres Gras, bzw. Heu, infolgedessen schwereres
und ertragreicheres Vieh; ebenso selten ist noch systematische
Futtersamenzucht.
Diese Beispiele könnten noch vermehrt werden; sie allein be-
weisen aber schon, auf wie vielen Gebieten systematische Ratio-
nalisierungsarbeit in der Landwirtschaft Europas notwendig und
möglich ist. Angeeifert von dem Beispiele der Vereinigten Staaten
und Kanadas, geht man denn jetzt mit mehr Energie als bisher,
vielfach bewogen durch handelspolitische Rücksichten (Versorgung
mit Nahrungsmitteln, die im Inlande erzeugt werden), daran, den
landwirtschaftlichen Betrieb und dessen Ertrag zu verbessern. Wie
in Deutschland, bemüht man sich auch in Italien (»battaglia di grano«,
vgl. »Reichspost« vom 27. September 1927), in Polen, Ungarn und
in Österreich (wo Bundespräsident Dr. Hainisch und Minister
Thaler sehr eifrige Förderer moderner, intensiver Landwirtschaft
sind), die Landwirtschaft in allen ihren wichtigeren Zweigen zu
größerem Ertrage zu bringen.
Es sollen nun einige konkrete Probleme der Rationalisierung der
Landwirtschaft besprochen werden.
Da ist zunächst die rationelle oder irrationelle Lage der Grund-
stücke zueinander. In Süd- und Westdeutschland, auch in Österreich
ist kleinerer Bauernbesitz vorherrschend mit linearer Erbteilung; eine
sehr schädliche Folge davon ist der »Streubesitz«, der einen