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bedeutenden »Leerlauf« der landwirtschaftlichen Arbeit verursacht,
indem bis zur Hälfte der aufgewendeten Arbeitszeit auf unproduktive
Wege, Holung und Bringung, verloren geht; das mit dem Streubesitz
verbundene Wende- und Tretrecht macht‘ ernste Fortschritte der
Bodenkultur geradezu unmöglich, ebenso die Anwendung von
Maschinen. Seit Hunderten von Jahren wird die »Flurbereinigung«
vetrieben, eigene »Kommassierungs-« oder »Arrondierungs«gesetze
erschienen — ihre Durchführung läßt aber sehr zu wünschen übrig,
wenigstens in Österreich. Die Rationalisierung des landwirtschaftlichen
Betriebes fordert mithin als eine Grundvoraussetzung. die energische,
großzügige Reform der Grundstückeverteilung. »Bauerngeschlechter
folgen Geschlechtern auf nassem, saurem Boden — sie haben nicht
den Gemeinsinn, die Einsicht, mit den Nachbarn zur gemeinsamen
Beseitigung der Übelstände zusammenzuarbeiten.« Die Bauern in
Westfalen, Hannover und Sachsen sind besser daran, weil sie das
Anerbenrecht, also mehr geschlossene Besitztümer, kennen (vgl.
»Reichspost« vom 29. September 1927).
Die weitere besitzpolitische Frage, ob Groß- oder Kleinbesitz
vorteilhaftere Bewirtschaftung verbürge, ist nicht generell und apo-
diktisch zu beantworten. Wahrscheinlich ist eine gesunde Mischung
der Besitzgrößen und eine namhafte Zahl mittlerer Bauerngüter
das beste Mittel zur Entwicklung des Ertrages. Großbesitze ermög-
lichen die Verwendung maschineller Arbeitsbehelfe, die rationellere
Verwertung wichtiger Nebenprodukte und die Anlage der sogenannten
land- und forstwirtschaftlichen Industrien. Die nach dem Kriege in
mehreren Staaten Ost- und Südosteuropas erfolgte, mehr weniger weit-
gehende Zerschlagung der Großbesitze (Agrar- oder Bodenreform)
hat, wie das Internationale landwirtschaftliche Institut in Rom be-
richtet (1926), auf die Bewirtschaftung dieser Böden im allgemeinen
nicht vorteilhaft gewirkt, eher nachteilig, wenn man davon absieht,
daß in manchen Gebieten vom Getreidebau zur Viehzucht über-
gegangen wurde, was an und für sich ein Vorteil sein kann, aller-
dings nicht zu sein braucht.
Wichtige Verbesserungen wurden in manchen Staaten, so auch
in Deutschland, für den Bau und die Anlage (Einrichtung) der land-
wirtschaftlichen Gebäude vorgeschlagen und zum Teil schon in
Anwendung gebracht. Früher wurde oft unpraktisch (irrationell) und
zu teuer gebaut, zu viel »Kapital« in den »Hof« gesteckt, Ställe,
Scheunen, Keller usw. ohne Rücksicht auf den Arbeitsaufwand bei