Full text: Wirtschaftlichkeitslehre

43 
ihrer Benützung errichtet, so daß zur Erntezeit und beim Drusche 
zuviel Menschenkräfte notwendig waren; hier ergaben sich also mit 
Hilfe der Rationalisierung wirksame Mittel, der »Leutenot« zu steuern. 
Neuerdings findet in Deutschland der »Sparhof« immer mehr Ver- 
breitung. Die Grundregel seiner Konstruktion ist, menschliche Arbeit 
für Tragen, Wege usw.) möglichst zu ersparen. Dieser Erfolg wird 
zunächst durch eine rationelle Lage der Gebäude zueinander und 
durch Einbau zweckmäßiger Transporteinrichtungen (Geleise, Hänge- 
bänke, Förderer, Aufzüge u. ä.) erreicht — wie man sieht, tritt auch 
hier der Grundgedanke der Fordschen »Fließarbeit« deutlich hervor. 
Bei rationell konstruierten Dreschanlagen z. B. sind nur mehr 3 statt 
12 bis 15 Personen erforderlich. Auch die Stallungen sind ähnlich 
3aingerichtet; sie werden mit Transportvorrichtungen für die Zufuhr 
des Futters und der Streu sowie für die Abfuhr des Düngers zur 
(ebenfalls rationell gebauten und gelagerten) Dungstätte versehen, 
was die Kosten und den Ertrag der Viehhaltung aufs günstigste 
beeinflußt. Daß man für Einrichtungen zu sorgen hat, die den 
Geboten moderner Stallhygiene dienen, ist selbstverständlich; die 
gesundheitlichen Gefahren der Viehhaltung lassen sich (wie beim 
Menschen) zum größeren Teil vermeiden. Peinliche Reinhaltung der 
Tiere und ihrer Behausung, ihre sorgfältigste Wartung und ihre 
periodische ärztliche Untersuchung sind naturgemäße Forderungen 
der Rationalisierung. Übrigens sollen zementierte Ställe, ein schein- 
barer Fortschritt gegenüber Ställen aus Holz oder feuchten Stein- 
bauten, sich bei Schweinen nicht bewährt haben. 
Das große Gebiet der landwirtschaftlichen Arbeit selbst ist in 
Amerika und wird nun auch in Europa in stets zunehmendem Maße 
"ationalisiert, vor allem durch die Mechanisierung und Motori- 
sierung der Arbeit. In einem Berichte über Kanada, betitelt »Die 
Maschine als Landmann« (Vossische Zeitung, 9. September 1927), 
erzählt ein deutscher Auswanderer. daß er zur Gänze umlernen mußte, 
daß kaum eine Lehre der deutschen Landwirtschaft dort Anwendung 
äinde. Allerdings sind die anderen Arbeitsweisen bedingt durch das 
andere Klima und das weite Flachland; aber gewisse techniche Ver- 
Desserungen sind durchaus auch in Mitteleuropa anwendbar. In Kanada 
erfordert z. B. die Heuernte fast keine Handarbeit mehr — die 
Maschine schneidet (mäht), harkt, wendet; reichere Farmer benützen 
sinen automatischen Auflader (Heugabel — ade!): ein kleiner Elevator 
arfaßt das Heu und schafft es auf den (Automobil-) Heuwagen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.