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wurden die alten, gut bewährten Raiffeisenkassen, die fast gar keine
Verwaltungskosten machen (nur 0:3 Prozent der verwalteten Gelder),
gefördert und eine Zentrale der Kreditgenossenschaften gebildet. (Ähn-
liches geschah in Österreich durch die Gründung der Girozentrale.)
Die Einkaufsgenossenschaften (und deren Zentrale) können mit den
xartellierten Industrien weit erfolgreicher arbeiten als der einzelne;
derart wurde z. B. ein günstiger Vertrag mit der Kaliindustrie ge-
schlossen, der die Einkaufs- und Verkaufsregie bedeutend herab-
minderte und die geschäftlichen Beziehungen stabilisierte,. Der ge-
ı1ossenschaftliche Verkauf ist bisher noch nicht genügend verein-
heitlicht, aber gerade hier handelt es sich um wichtige Interessen,
wie: Schutz vor Preisrisken, vorteilhafte und regelmäßige Verwertung
der Erzeugnisse, Ersparungen beim Absatze u. a. Die Hindernisse
dieses Fortschrittes sind nicht bloß kommerzieller, sondern auch
produktionell-organisatorischer Natur, d. h. es müssen gute, be-
währte Saatsorten, beste technische Einrichtungen, Motore, Maschinen
zur Reinigung des Korns usw. verwendet. werden. Selbstverständlich
wurden auch die Lagerhausgenossenschaften weiter ausgebaut. .
Auch von den Genossenschaften in Deutschland, der Schweiz,
Frankreich und anderen europäischen Ländern könnten so manche
ir die Kenntnis der Rationalisierung wichtige Daten berichtet werden.
Wir beschränken uns auf einige weniger bekannte Charakteristika
ler Genossenschaften in Amerika. In Kanada wurden in den letzten
Jahren zahlreiche Farmervereinigungen zu dem Zwecke gebildet, um
las Getreide im Verlaufe des Winters, je nach der Preislage, zu ver-
kaufen; der Erlös wird in drei oder mehreren Raten ausgezahlt,
so daß die Farmer stets Betriebsmittel zur Hand haben und ihr
Risiko stark verringert ist. In den Vereinigten Staaten zwang die
oft sehr weite Entfernung der Farmen vom Markte zur Bildung von
Ein- und Verkaufs- und von Lagergenossenschaften, die gleichzeitig
die Züchtung von Markenprodukten, mit gleichbleibenden Qualitäten
und standardisierter Sortenzahl, ferner die Schädlingsbekämpfung
betreiben. Man zählte 1925 etwa 12.000 Farmergenossenschaften, die
einen Umsatz von 2 Milliarden Dollar erzielten. Auch der sehr rationelle
Jberbau der Genossenschaften, der Verband, fehlt nicht, u. zw. für
Bezirke und ganze Staaten, die, ähnlich wie z. B. die Zentralen
der Konsumgenossenschaften in England u. a. schon reine Groß-
betriebe, mit bestbezahlten Direktoren und kaufmännischer Führung,
darstellen. Die amerikanischen Genossenschaften umfassen nicht bloß