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seits wirkte hier das verblüffende Beispiel Amerikas geradezu
suggestiv, anderseits zwang die wirtschaftliche Not zu rationellerer
Wirtschaftsführung, die Not, die aus dem immer schärferen Kampfe
um den Absatz, infolge der zunehmenden Industrialisierung immer
zahlreicherer, auch kleinerer Staaten, entsprang und Höchst- und
Bestleistungen der Produktion erforderte.
Bevor die wichtigeren Maßregeln industrieller Rationalisierung
geprüft werden, soll ihr deutlichstes äußeres Stigma, die Technik,
und ihre Rolle in der Volkswirtschaft kurz behandelt werden. Auch
ist auf den wesentlichen Unterschied zu verweisen, der zwischen
den älteren »Materialprüfungs- und Versuchsanstalten« (öffentlichen
und privaten) und der technischen Rationalisierung besteht; jene
gehen stets von gegebenen Tatsachen aus, die in irgend einer Hin-
sicht geprüft und attestiert werden, diese dagegen strebt bewußt
Änderungen der gegebenen Tatsachen an, Fortschritte, Ver-
besserungen, sei es in der Verwendung von Rohstoffen, sei es im
Verfahren, sei es im Arbeitsprozesse und in der Arbeitsorganisation.
Dabei ist es wohl vorgekommen, daß Verbesserungen aus der
Prüfung oder Untersuchung hervorgingen.
Daß der (industriellen) Technik eine sehr bedeutende, wenn-
gleich nicht die einzige Rolle innerhalb des Gesamtgebietes der
Rationalisierung zufällt, ist offenkundig; wir werden aber sehen,
welche Wichtigkeit noch andere Faktoren — Organisation, Arbeiter-
psyche, sozialer Nexus, Warenvertrieb — für die erfolgreiche Ra-
tonalisierung besitzen, so daß wir uns vor einer übertriebenen
Einschätzung der Technik hüten müssen. »Gescholten viel und viel
bewundert« kann auch die Technik von sich sagen. Während sie
die einen für all die schweren sozialen Übel verantwortlich machen
‚durchaus unrichtigerweise), schreibt ein Th. Edison begeisterte
Oden unter dem Titel »Freiheit durch die Maschine« (1927); die
Sklaverei werde nicht eher völlig abgeschafft sein, als bis jede
Arbeit, die heute noch durch Menschenhand geschieht, durch eine
Maschine getan wird, allerdings fügt er doch hinzu: soweit diese
Arbeit von der Maschine in gleicher Güte getan werden kann; der
alte Handarbeiter (Handwerker) habe kaum freie Zeit für kulturelle
Beschäftigung, die Langsamkeit der Handarbeit zwinge ihn zu über-
mäßig langer Arbeitszeit. Die Maschinenarbeit sei durchaus nicht
monoton, liefere aber gleichförmige, verläßliche Erzeugnisse; sie führe
auch nicht zur Überproduktion., denn die Bedürfnisse der Menschen