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jetzt in Rußland im Besitz des Volkes ist und zum vollkommenen
Instrumente der kollektiven Interessen werden soll, zum besten Aus-
drucke des mechanisch-kollektiven Prinzipes, als Ebenbild einer
höheren Gesetzmäßigkeit; die ganze menschliche Gesellschaft muß
nach technischen Prinzipien organisiert werden. Wie früher Mystiker
den Menschen zu einem Ebenbilde Gottes machten, so fordern jetzt
die »Ekstatiker des Rationalismus« das völlige Aufgehen in dem »Ma-
schinismus«. Alle organischen Bewegungen werden als mechanische
Funktionen bezeichnet (ähnlich die pantechnizistischen Welterklärer).
Das unendliche, vielgestaltige und wechselnde Leben wird in rein
mechanische Konstruktionen eingefangen. Wie Ingenieur Tschimer
ldazu bemerkt, zeigt die Technik des Westens mehr Besonnenheit; sie
deschränkt sich nach dem Worte Fichtes darauf, zu erreichen, daß
xein größerer Aufwand an Arbeitsbemühen erfordert werde, als ihrer
der Mensch zu seiner Entwicklung und Ausbildung bedarf und diese
Arbeit soll keine Last sein. In diesem Sinne aufgefaßt, verstößt die
Technik, d. h. die Mechanisierung (und Rationalisierung) der Arbeit,
durchaus nicht gegen die Persönlichkeit, ist »kein bloßes Rechen-
sxempel der Naturforschung und Volkswirtschaftslehre«, vielmehr
immer weitere Befreiung des Lebens, ganz im Sinne Edisons, die
aus der vorhergegangenen Arbeit an der Maschine entstehen soll.
Die Vertreter der technischen Rationalisierung verwahren sich denn
auch mit Recht gegen den so oft gehörten Einwand, als sei diese
eine »Entgeistigung« oder »Entseelung« der Arbeit. Bleibt allerdings
noch der »soziale Nexus«, die soziale Seite des Arbeitsverhältnisses,;
in welcher Hinsicht, wie wir später hören werden, gerade der
richtig verstandenen Rationalisierung — neben ihren sachlichen
Aufgaben — sehr wichtige, ergänzende Aufgaben gestellt sind.
» Verlustquellen« in der Industrie.
Wenn wir uns nunmehr den konkreten Fragen der industriellen
Rationalisierung zuwenden, so ergibt sich als ihr Hauptzweck die
Beseitigung (oder wenigstens die Verminderung) der Verlustquellen
/wastes) in bezug auf Zeit, Material und Arbeit; als Maßregeln, die
diesem Ziele dienen, sind bisher bekannt und benützt worden: das
Taylorsystem; die Normung; die Typisierung und Standardisierung;
rationelle Arbeitsvorbereitung und -organisation; die Fließarbeit nach
dem Systeme Fords; Psychotechnik und arbeitskundliche Methoden;
Konzentration; Konjunkturforschung und Marktstudien.