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ersonnen wird, was man eigentlich gar nicht benötigt hätte; man
brauchte durchaus noch keinen neuen Hut oder eine neue Krawatte,
aber es ist eine neue Form, eine neue Farbe »modern«, ergo kauft
man unwirtschaftlicherweise das neue Ding. In diesem Sinne ist die
Privatwirtschaft wohl ein Hindernis der Standardisierung, aber nicht
unbedingt, d. h. dieses Hindernis kann wohl überwunden werden,
und ist in den Vereinigten Staaten zum guten Teil überwunden;
auch in Europa zeigen sich erfolgreiche Ansätze. Standardisieren
kann man einen Artikel nur dann, wenn Erzeuger, Händler und
Abnehmer zusammenwirken. Die Verringerung der Zahl der mannig-
fachen Sorten und Qualitäten einer Ware verstößt ebensowenig
gegen Kunst und Kunstgewerbe wie die Normung, da sie wie
diese sich lediglich auf Produktionsmittel z. B. Motore und auf
Dinge des gewöhnlichen Gebrauches bezieht. Wenn man bedenkt,
daß der Übergang von einer Sorte zu einer anders gearbeiteten
verlorene Energie bedeutet, selbst wenn der Arbeiter bei derselben
Maschine bleiben kann, so wird man der unnötig großen Zahl der
Sorten nicht mehr das Wort reden. Auch wenn ein Produkt nur in
anderen Dimensionen herzustellen ist, tritt Zeit-, bzw. Energieverlust
2in, denn die Maschine muß anders eingestellt werden, wenn ein
größeres oder kleineres Werkstück als bisher an die Reihe kommt:
man muß die Arbeitsstücke aus der Maschine nehmen, in das Lager
iragen, von dort ein anderes Arbeitsstück holen, in die Maschine
einfügen und dort befestigen. Im übrigen: 80 Prozent der Menschen
in allen Großstädten der Welt: kleiden oder »tragen« sie sich nicht
schon heute ziemlich gleich? Persönliche oder nationale Unterschiede
spielen eine immer geringere Rolle.
Rationelle Betriebsorganisation; Fließarbeit.
Wir haben jetzt ein sehr wichtiges Kapitel der industriellen
Rationalisierung zubesprechen: die rationelle 0 rganisationderArbeit
ım Betriebe. Oberster Grundsatz ist auch hier: mit immer weniger Auf-
wand an Energien aller Art immer größere Resultate erzielen. Es wird
zweckmäßig sein, nach dem guten Vorbilde Professor Ermanskis
Internat. Hochschulkurse, Wien 1926) zunächst die Rationalisierung der
»toten« Produktionsfaktoren und hierauf die der lebendigen Pro-
Jluktionsfaktoren, also der menschlichen Arbeit, zu besprechen.
Die Rationalisierung hat aus den vorhandenen Produktionsfaktoren
mechanischen und lebendigen En ergien [E]) ein größeres Resultat (RR)