Full text: Wirtschaftlichkeitslehre

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Alle von Hoover autgezählten Arten der wastes, mithin auch die 
Krisen, lassen sich letzten Endes auf mangelhafte Information 
der Geschäftsleute über die Marktlage zurückführen; daher das 
Irregehen in bezug auf die zu produzierende Menge, daher die 
‚»Ladenhüter«, daher der günstige Nährboden für die (reine) Spe- 
kulation. In Amerika und neuerdings auch in Deutschland und 
Österreich erstellt man infolgedessen eine gute, rasch veröffentlichte 
Statistik aller wichtigeren wirtschaftlichen Vorgänge, bekannt unter 
dem Namen »Konjunkturforschung«. Das zu beobachtende Material 
muß aber in eine Form gebracht werden, die eine verläßliche Be- 
abachtung gestattet: durch Vereinfachung der Geschäftsgebräuche, 
durch übersichtlichere Organisation der Wirtschaft u. a., um die 
Faktoren verläßlich, eindeutig beobachten zu können, welche die 
‚Konjunktur« bestimmen. Diese offizielle Konjunkturbeobachtung 
bedarf aber einer Ergänzung durch eine gute, fortlaufend erstellte 
Statistik jedes einzelnen Betriebes, welche die Kurve jedes 
wichtigeren Teiles des Betriebes registriert und dazu dient, die 
allgemeine Statistik an der eigenen Betriebsstatistik und umgekehrt 
zu verifizieren und dadurch zu kontrollieren. 
Nun wendet man aber gegen die Wirksamkeit der Konjunktur- 
statistik ein, daß, wenn sie z. B. eine drohende Überproduktion 
einer Ware erwies, jeder Produzent denken wird: die anderen, die 
ja auch diese Statistik lesen, werden ihre Produktion einschränken, 
das wırd genügen, um eine Überproduktion zu verhindern; er selbst 
arbeitet ohne Einschränkung weiter. Da aber die meisten Produzenten 
so denken werden, dürfte kein Betrieb eingeschränkt werden und 
die gefürchtete Überproduktion kommt, trotz der Statistik. Wie wir 
schon gehört haben, läßt sich eine rationelle Regelung der Pro- 
duktionsmengen eben nicht mit Hilfe der Statistik allein, sondern 
nur in Verbindung mit Abmachungen oder Zusammenschlüssen der 
betreffenden Produzenten durchführen (s. oben: Die Konzentration 
als Mittel der Rationalisierung). 
Zur Beseitigung der höchst irrationell wirkenden Krisen wurden 
auch drastischere Mittel vorgeschlagen. So meint Dr. Paul Bengt, 
daß man die Beseitigung der Krisen durch die »managed currency« 
nach dem Vorschlage Keynes’, Irving Fishers u. a. sozusagen er- 
zwingen könne; eine amtlich, d. h. von der Notenbank geregelte 
Währung besagt, daß bei drohender Überproduktion die Kredite 
eingeschränkt, ja gedrosselt werden sollen. Einem Produktionszweig
	        
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