Full text : Die wirtschaftliche Konzentration

Die Ursachen der Konzentration

Propaganda gewonnen werden, ferner ergeben sich Grenzen für die
Steigerung des Umsatzes aus der jeweiligen Kaufkraft der Bevölkerung,
dem Sättigungspunkte des Bedarfes, der Ablenkung des Bedarfes auf
andere Waren (z. B. durch Mode) usw. Der durch die Erweiterungsmöglichkeit
 des Absatzes gegebene Spielraum muß daher auch so rasch
als möglich ausgenützt werden, damit Gewinne erzielt werden, bevor
sin Rückschlag eintritt.
Die auf möglichste Arbeitsteilung und größten Umsatz abzielende
Spezialisierung bringt aber zugleich den Nachteil mit sich, daß sie ein
Unternehmen von dem Geschäftsgange eines oder weniger Erzeugnisse
Abhängig macht und der Rückschlag in einem nicht durch größeren
Erfolg in den anderen abgeschwächt werden kann. Geradeso wie die
Arbeitsteilung in einem Betriebe durch eine Arbeitsvereinigung ergänzt
werden muß, so muß auch der Arbeitsteilung unter den einzelnen Betrieben
eine Arbeitsvereinigung entsprechen, indem Betriebe verschiedener
Unternehmungen zu einer neuen einheitlichen Unternehmungsform
zusammengefaßt werden, welche die vorhandenen Unternehmungen
entweder gänzlich aufhebt oder als Untergesellschaften mit größerer
oder geringerer Selbständigkeit bestehen läßt. Durch eine solche Konzentration
 wird ein Riskenausgleich, eine Art Rentabilitätsversicherung
erzielt. Die Spezialisierung wird dadurch nicht unterbunden, sondern
erst zur vollen Entwicklung gebracht, denn je mehr Betriebe in einer
Unternehmung vereinigt sind, desto leichter kann der Konjunkturumschlag
 in einem Erzeugnis ertragen werden, weil sich das Risiko
auf eine größere Zahl*von Einheiten verteilt. Die Spezialfabrik bedeutete
 also einen Fortschritt, einen noch größeren stellt aber die Vereinigung
 von Spezialfabriken dar.
Das Bedürfnis nach einem Riskenausgleich mußte sich mit der
zunehmenden. Größe des Risikos steigern. Das Risiko nimmt aber in
der Produktion deshalb zu, weil bei der Zusammenfassung von Arbeitskraft
 und Kapital zum Zwecke einer Unternehmung ein immer größerer
Teil des zur Verfügung stehenden Geldkapitals in Sachkapital verwandelt
werden muß, welches viel weniger beweglich und zurückziehbar ist als
Geld und Arbeitskraft. Zudem entfällt von dem Arbeitskapital mit
der Zunahme des Großbetriebes ein immer größerer Teil auf das stehende
Kapital, das in Grundstücken, Gebäuden, Maschinen usw. investiert
ist und vom Standpunkte des einzelnen Unternehmens als Anlagekapital
 im Gegensatz zum Betriebskapital (für Rohstoffe, Fabrikate,
Geld zur Auszahlung von Gehalten und Löhnen usw.) behandelt wird.
Je größer das Anlagekapital, desto geringer sind in der Regel die Produktionskosten.
 Dieses Anlagekapital entwertet selbst bei vorübergehendem
 Stillstande durch Veraltung und Verwitterung von Gebäuden
und Maschinen, zum Teil sogar (z. B. bei Dampfkesseln) rascher als
            
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