Full text : Die wirtschaftliche Konzentration

Die horizontale Konzentration

2.

In der Vorkriegszeit war die sachliche Teilung auch eine geographische,
 indem die Trusts als Hauptvertreter der vertikalen Betriebskonzentration
 mehr in Amerika und die Kartelle als Hauptvertreter
der horizontalen Betriebskonzentration mehr in Europa Verbreitung
fanden. Das erklärt sich, abgesehen von manchen Eigentümlichkeiten
des Rechts- und Wirtschaftslebens in beiden Erdteilen, dadurch, daß
die amerikanische Industrie eine ungleich größere Ausdehnungsmöglichkeit
besaß, während die alte europäische Industrie mit der Erreichung des
Sättigungspunktes im Bedarfe mehr auf die Stabilisierung des Marktes
ihr Augenmerk richten mußte. In der Zeit des Weltkrieges erlebten
die früher als Auswüchse der Profitgier von Demagogen heftig bekämpften
Kartelle eine weitgehende staatliche Anerkennung, ja sie wurden zum
Unterbau für die Kriegszentralen, die unter dem Drucke der Warennot
zur staatlichen Bewirtschaftung der wichtigsten Erzeugnisse geschaffen
wurden. Einige Zeit dachte man sogar, die staatliche Planwirtschaft
in die Friedenszeit hinein als ein Zugeständnis an die Gegner der kapitalistischen
 Wirtschaftsordnung und die von ihnen empfohlene Sozialisierung
 fortsetzen zu müssen. Ihre bald offenkundigen Mißstände und
ihr Hauptfehler, daß sie den Unternehmer zum staatlichen. Beamten
machte, ohne sein Interesse für das Gemeinwohl zu stärken, führten
zur Umkehr und damit zu einer Unterschätzung der Kartelle. Auch
die Änderung der Wirtschaftslage drängte, namentlich in Deutschland,
zu einer Änderung in der Organisationsform. Krieg und Inflation hatten
die Kaufkraft der Bevölkerung zurückgeschraubt, obwohl der latente
Bedarf infolge stärkerer Verbreitung der städtischen Lebensweise auch
auf die ländliche Bevölkerung gestiegen war, die Erzeugungskosten
waren dagegen infolge der Verteuerung der menschlichen. Arbeitskraft
größer geworden. Einen Ausweg aus dieser Zwickmühle bot nur die
möglichste Verbilligung des Erzeugungs- und Vertriebsapparates, die
„Rationalisierung“ wurde daher das Schlagwort des Tages. Eine solche
Verbilligung setzt eine fortschreitende berufliche Arbeitsteilung, eine
Spezialisierung voraus, die wieder größeres Anlagekapital bindet und
gleichzeitig das Risiko verstärkt, das mit der Abhängigkeit des Geschäftserfolges
 von den Konjunkturschwankungen eines einzigen Erzeugnisses
verknüpft ist. Durch Zusammenfassung solcher Betriebe in ein
Unternehmen oder eine höhere Einheit von Unternehmungen wird
ein Risikoausgleich angebahnt. Deshalb wurde die Begeisterung für
entsprechende Trustbildungen („Konzerne“) so groß, daß man die
Kartelle als überlebte Type der Betriebskonzentration hinstellte, weil
sie durch künstliche Erhaltung der minder leistungsfähigen Betriebe
der größeren Rationalisierung des Erzeugungsvorganges Sogar entgegenwirkten.
 Doch war dies ein übereilter Schluß, denn in dem Augenblick,
da wieder die für die moderne Volkswirtschaft charakteristische „latente
            
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