forderungen verpflichteten, und Geldsammlungen wurden ein-
geleitet zur Unterstützung solcher Kandidaten, die aus den
Gewerkschaften hervorgegangen waren. Den beiden grossen
Parteien wurde ein Mindestprogramm gewerkschaftlicher For-
derungen zur Anerkennung vorgelegt, das von den PRe-
publikanern abgelehnt wurde, während die Demokraten grosses
Entgegenkommen zeigten. Daraufhin erliess Gompers eine Auf-
forderung an die Arbeiterschaft, überall bei den Wahlen die demo-
kratischen Kandidaten zu unterstützen. Der nächste Kongress 1908
billigte mit grosser Mehrheit diese Massnahme. In der folgenden
Zeit hat der Gedanke einer selbständigen Arbeiterpartei auf den
Gewerkschaftskongressen eine grössere Bedeutung nicht mehr
erlangt, bis die Präsidentenwahl im Jahre 1924 die Errichtung einer
Arbeiterpartei plötzlich wieder in greifbare Nähe rückte. Die
Vorgänge sind auch ausserhalb Amerikas noch ziemlich bekannt.
Um den fortschrittlichen Senator La Follette scharten sich ver-
schiedene Gruppen, darunter Farmerverbände, die sozialistische
Arbeiterpartei und eine Reihe Gewerkschaften, während aber die
Federation selbst auch diesem Versuch, eine dritte Partei zu
gründen, fernblieb. Die Wahl selbst erbrachte für die neue
Gruppierung fast fünf Millionen Stimmen, die aber doch nur
16 Prozent aller abgegebenen Stimmen betrugen. In anderen
Ländern hätte man aus diesem doch immerhin beachtenswerten
Erstlingserfolg vielleicht die Hoffnung geschöpft, dass bei zäher
Weiterarbeit in absehbarer Zeit die neue Partei ein ernsthafter
Anwärter auf die politische Macht werden könnte. In Amerika aber,
wo jede grössere organisierte Gruppe überzeugt ist, dass sie
unter dem Zweiparteiensystem, wenn nicht direkt, so doch indirekt
einen politischen Einfluss ausüben kann, der aber verlorengeht,
wenn man seine Karte auf eine dritte, machtlose Partei setzt, war
der augenblickliche Misserfolg entscheidend. Es ist nicht unsere
Aufgabe, zu untersuchen, ob überhaupt die heterogenen Gruppen,
die sich zunächst nur zum Zwecke der Präsidentenwahl zusammen-
gefunden hatten, auf die Dauer in einer Partei beieinanderzu-
halten gewesen wären. Der erste Misserfolg führte jedenfalls
dazu, dass sich die Gruppen wieder trennten. Wir fanden auch
in solchen Kreisen, die sich für die Gründung einer Arbeiterpartei
erklärten, nunmehr die Auffassung, dass der misslungene Versuch
auf absehbare Zeit alle Möglichkeiten zur Verwirklichung des
Planes verschüttet habe.
Dadurch ist auch die Stellung der Federation zur Frage einer be-
sondern Arbeiterpartei weiterbefestigt worden. Diese Stellung
wird am besten erkenntlich in einem von ihr durch eine besondere
Kommission am Ende des Weltkrieges aufgestellten „Wieder-
aufbauprogramm“, in dem es heisst:
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