Full text : Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Russisch-Polen und dem Deutschen Reiche und die sich daraus für den Friedensschluss ergebenden Folgerungen

Die  Gesamtbevölkerung  Polens  betrug  im  Jahre  1912:
12  776  100  Personen.  Seit  dem  Jahre  1897  (9  702  253  Einwohner), ­
  also  in  einem  Zeitraum  von  12  Jahren,  ist  sie  somit
um  3  373  900  Personen  gestiegen.  Die  Zunahme  betrug  also
35,9

Nach  dem  Religionsbekenntnis  teilte  sich  die  Bevölkerung
im  Jahre  1909  wie  folgt  (in  Prozenten):

Gouverncm.

Katholiken

Mariawit.

Orthodox.

Protestant.

Juden

andere

Kalisch

75,42

0,61

4,00

5,32

14,64

0,01

Kielce

88,39

—

0,36

0,31

10,94

—

Lublin

64,84

0,01

18,32

2,74

14,09

—

Lomscha

81,67

—■

1,12

1,03

16,24

—

Petrikau

67,88

2,42

1,11

12,90

15,67

0,02

Plozk

61,64

0,11

0,46

7,32

10,46

0,01

Radom

83,95

0,02

0,47

1,19

14,38

—

Siedlez

70,79

0,67

11,22

1,57

15,75

—

Suwalkt

79,40

0,08

2,01

5,76

12,73

0,02

Warschau

73,14

0,73

1,76

4,92

19,41

0,04

Die  Deutschen  und  ebenso  ein  Teil  der  Litauer  sind  meist
Protestanten.

Volksbildung.  Das  kulturelle  Niveau  der  Landbevölkerung
Polens  ist  nicht  als  ein  besonders  hohes  zu  bezeichnen,  wenn  auch
der  polnische  Bauer  kulturell  immer  noch  höher  stehen  dürfte  als
der  Zentralrußlands.  Auf  einem  höheren  Niveau  steht  die  industrielle ­
  Arbeiterschaft,  obgleich  sie  sich  in  dieser  Hinsicht  mit  der
deutschen  Arbeiterschaft  bei  weitem  nicht  messen  kann.  Die  Hauptursache ­
  hierfür  ist  in  dem  zur  Zeit  noch  gering  entwickelten  Elementarbildungswesen
  im  Königreich  Polen  zu  suchen.  Bemerkenswert
ist  aber,  daß  der  Pole  im  allgemeinen  bildungsfähig  und  lernbegierig ­
  ist.
Was  den  Stand  des  Elementarschulwesens  in  Polen  anbetrifft, ­
  so  haben  die  Städte,  wenn  man  von  den  Handwerker-  und
den  sonstigen  gemeinniitzigen  Sonntagsschulen  absieht,  keinen
Vorteil  vor  dem  Lande.  Im  Jahre  1882  wurden  in  Polen  bei
einer  ländlichen  polnischen  Bevölkerung  von  4  500  000  Köpfen
2  237  Schulen  gezählt.  Es  entfiel  danach  eine  Dorfschule  aus
1  925  Einwohner.  Im  Jahre  1893  zählte  man  2  569  Schulen
bei  einer  ländlichen  Bevölkerung  von  5  542  038  Köpfen.  Der
Wert  des  Unterrichts  in  diesen  ländlichen  Volksschulen  wird  stark
dadurch  beeinträchtigt,  daß  das  Schuljahr  sehr  kurz  ist;  es  hängt
das  mit  der  Dauer  der  Feldarbeiten  zusammen.  Das  Schuljahr
dauert  nur  von  Mitte  November  bis  Anfang  März.  Die  Mehr-
            
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