Full text : Sittlichkeit in Ziffern?

Geschlechtsmoral und Ehe.

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Zeugung im Rausch an sich und an ihre Folgen zu erinnern 167,
Aus der Analyse der Motivreihen der ehelichen Fruchtbarkeit
resultieren häufig recht niedrige Triebe. Diese können zg. B.
durch den Fortpflanzungswillen schärfende Mutterschaftsprämien
 erweckt werden, welche bevölkerungspolitisch günstig
zu wirken vermögen, aber doch den Eltern leicht den Gedanken
eingeben, mit der Erzeugung des Kindes ein Geschäft zu
machen 16. In England suchten zu Beginn des ı9. Jahrhunderts
 Distriktsarme die Wohltaten der Poor Laws dadurch
bis zur höchstmöglichen Grenze auszunutzen, daß sie eine möglichst
 große Kinderzahl in die Welt setzten, da diese ihnen
erhöhte Armenunterstützung verschaffte169. Sie heirateten deshalb
 auch mit Vorliebe uneheliche Mütter, die ihnen bereits
ein Kind, gleichsam als Heiratsgut, in die Ehe mitbrachten 17°
und ihnen gleichzeitig den Beweis fernerer Zeugungsfähigkeit
 lieferten. Ein noch ausgesprochenerer Geschäftsgedanke
in der Kindererzeugung der Eheleute leitet auch den Ammenberuf
 verheirateter Frauen. In der Zeit der Findelhäuser war
es in Frankreich und Italien nicht selten, daß Eheleute ihre
Kinder aussetzten, nur in der Absicht, daß sich die Mutter als
Amme melde, um in solcher Eigenschaft dann ihr Kind aus der
Anstalt zur Verpflegung zu erhalten und damit einen Gewinnlohn
 zu verdienen !?1
Das Ammenwesen kommt noch in zweierlei Hinsichten für
uns in Betracht, die sittlich gleich verwerflich sind, aber sich

W671 Ike Spier, Zeugung im ARausche, in Die Neue Generation,
10. Jahrg., 4. Heft (1916), S. 199.
168 Daher haben sich die Erauenrechtlerinnen selbst während des Weltkrieges
 gegen die Anwendung dieses Mittels gewehrt. (Gertrud Bäumer,
Weit hinter den Schützengräben, Jena 1916, Diederichs, S. 190.)
169 Deshalb empfahl eben Malthus eine auf das Notwendigste beschränkte
Armenunterstützung.
170 Bulwer, S. 156.
in CC, J. A. Mittermaier, S. 171; vgl. auch die Bestreitung solcher
Angaben bei Lamartine, S. 331.
            
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