Full text: Sittlichkeit in Ziffern?

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Dritter Teil. 
statistisch ebenfalls nicht fassen lassen. Die eine ist, daß der 
eheliche Beischlaf nur deshalb vollzogen wird, damit die Frau 
sich als Amme vermieten kann. Unter Umständen auch unter 
Gewaltanwendung seitens des Mannes (eheliche Ammen- 
notzucht). Die zweite Erscheinung, auf die noch hinzuweisen 
wäre, ist die ebenfalls durch die hohe Verdienstaussicht er- 
folgte Ertötung der weiblichen Scham, welche Bauernmädchen 
ohne jede Rücksicht auf Ehe oder nicht, ja unter Umständen 
sogar unter ausdrücklicher Verzichtleistung auf dieselbe ver- 
anlaßt, sich schwängern zu lassen!’2?, In beiden Fällen sind, 
falls die Amme sich auswärts verdingt, die aus solchen Ehen 
oder Verhältnissen entstehenden Kinder (Ammenkinder) der 
Vernachlässigung und hoher Sterblichkeit ausgesetzt173, Über- 
dies wirkt gleichzeitig der hohe Ammenlohn auf die übrigen 
Hausbediensteten aufreizend und zu Nachahmung und schlech- 
tem Lebenswandel verleitend174. 
d) Übergang vonder Unehelichkeit zur Ehe- 
lichkeit. Gesetzliche Anerkennung unehelicher 
Kinder. 
Die Ziffern der unchelichen Geburten sind aber moral- 
statistisch noch auf ein weiteres Element hin zu untersuchen, 
ein Element, das zu einer weiteren Reduktion ihrer Bestände 
führen muß. Es muß bemerkt werden, daß die Ziffern der un- 
ehelichen Kinder nicht nur durch die Geburten und Todes- 
frequenzen in stetem Flusse bleiben, sondern daß ihnen auch 
172 Süßmilch, Göttliche Ordnung I, S. 516. 
173 Darüber entstand schon frühzeitig eine ganze Literatur, z. B. Jo- 
hann Georg Jördensen {Pfarrer zu Gailsdorff im Voigtlande), Die sünd- 
liche Ammen-Miethe, dadurch denen leiblichen Kindern, die ihnen von 
Gott und der Natur weißlich bereitete Nahrung entzogen, und dahero das 
ihnen offt angeborne gute Temperament verderbet, Leipzig 170g, Gleditsch. 
174 E, Hirschberg, Die soziale Lage der arbeitenden Klassen in Berlin, 
Berlin 1897, Liebmann, S. 284.
	        
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